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19.04.2008 

Wir werden immer unsicherer.

Menschen treffen täglich Entscheidungen — und zwar nicht zu knapp: Hirnforscher rechnen mit 20 000 pro Tag. Doch je mehr Informationen vorhanden sind, desto weniger klar können wir entscheiden.

Das beginnt schon bei einem simplen Produkt wie Marmelade. US-Psychologen testeten in einem Supermarkt das Kundenverhalten bei einem Angebot von 24 Brotaufstrichen im Vergleich zu sechs Gläsern. Ergebnis: Bei großer Auswahl blieben zwar 60 Prozent der Kunden stehen, aber nur drei Prozent kauften. Bei dem Angebot von sechs Konfitüren blieben zwar nur 40 Prozent stehen, dafür kauften 30 Prozent ein Glas. Die Entscheidung fiel ihnen leichter.

Weniger ist mehr — das gilt besonders für digitale Informationen. Es hat mehr Sinn, sich tiefgründig mit wenigen Studien, Testergebnissen und Zeitungsartikeln auseinanderzusetzen, als die Quantität zu erhöhen. Karen Heumann, Strategiechefin der Werbeagentur Jung von Matt, beschäftigt sich „seit Jahren mit dem Thema“, weil sie verhindern will, dass ihre „Konzentrationskraft unter der Reizüberflutung leidet“. Sie könne leicht bis zu sieben Stunden am Tag E-Mails beantworten, 120 bis 200 davon landen täglich in ihrem Posteingang. Bei dieser Informationsflut „wird es eher schwerer, effiziente Entscheidungen zu treffen“, sagt Heumann.

Deswegen schafft sie sich regelmäßig Rückzugsräume. Auf Bahnfahrten zum Beispiel nutze sie die Zeit, um Entscheidungen zu überdenken oder einfach nur zu träumen. „Ich bin jemand, der seinen Gedanken nachhängt“, sagt sie. So komme sie auf neue Ideen und zu nachhaltigen Entscheidungen. Die werden in Zeiten elektronischer Kommunikation immer schneller getroffen und ebenso schnell revidiert. Das verursacht dann noch mehr Arbeit.

Inspiration von außen und Ruhe sind für solide Entscheidungen fundamental. „Das Gehirn“, sagt Neurowissenschaftler Pöppel, „ist unglaublich konservativ.“ Es arbeite seit 100 000 Jahren immer nach gleichem Muster: Eine Entscheidung beruht auf neuronalen Verknüpfungen und abgespeicherten Erfahrungen. Damit Manager diese Erkenntnisse abrufen können, dürfen sie sich nicht ständig mit neuen Informationen aufladen. Die moderne Kommunikation verführe jedoch dazu, „zu schnell zu agieren“ – und damit zu Oberflächlichkeit und Fehlentscheidungen.

Lesen Sie weiter auf Seite 6: Wir provozieren das Chaos.

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