Wir provozieren das Chaos.
Jede E-Mail löst neue Nachrichten aus: Auf eine Anfrage folgen in der Regel Antwort, Bestätigung und Gegenbestätigung. Das sind allein drei Mails ohne einen großen Verteiler. Mit CC- oder BC-Funktion erhöht sich dieser Faktor gar um ein Viel- faches. Entsprechend fühlen sich die Nutzer von E-Mail-Diensten schnell als Opfer einer zunehmenden Datenlawine. Dabei sind sie selbst auch die Auslöser: Durch Unachtsamkeit müllen viele den Posteingang ihrer Kollegen zu und wundern sich später über die virtuellen Geister, die sie riefen.
Norbert Winkeljohann kennt diesen Mail-Wahnsinn. Der Vorstand der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers und bekennender Blackberry-Fan nutzt den mobilen Postdienst als „permanente Informationsquelle“. Täglich erhält er rund 100 E-Mails. Doch jede vierte sei „überflüssig“, stellt er fest. Eine enorme Zeitverschwendung: Forscher des britischen Henley Management College haben ausgerechnet, dass Manager im Durchschnitt dreieinhalb Jahre ihres Lebens mit irrelevanten E-Mails verdaddeln.
Den Trend zum „Management by E-Mail“ hält Winkeljohann für eine „große Unsitte“. Mitarbeiter würden Kollegen und ihn auf den Verteiler setzen, „selbst wenn ich an den Entscheidungen gar nicht beteiligt werden muss“, sagt Winkeljohann. „Das ärgert mich.“
Der Höhepunkt sei für ihn ein Disput zwischen zwei Kollegen gewesen, die sich per Pingpong-Mails beschimpften — mit Winkeljohann als stillem Mitleser. „Nach kurzer Zeit habe ich empfohlen, auf das persönliche Gespräch umzuschalten“, sagt der Manager. Der Konflikt war sofort gelöst.
Seitdem zieht der PWC-Manager immer schneller die Reißleine und fragt direkt nach: „War diese Mail jetzt erforderlich?“ Das diszipliniere die Mitarbeiter enorm. So hätten sich mit der Zeit Standards etabliert, die den elektronischen Briefverkehr deutlich reduziert hätten: Die Kollegen gehen heute sehr vorsichtig mit Verteilern um, kopieren nicht mehr alle Mitarbeiter eines Büros in die Empfängerliste, Handys und Blackberrys werden zunehmend kategorisch vor Meetings ausgeschaltet.
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