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19.04.2008 

Wir sind die Lösung.

Alle Beispiele zeigen zugleich: Die Technik zu verteufeln oder sich gar als Opfer einer zunehmenden Kommunikationsmanie zu wähnen ist der falsche Blickwinkel. E-Mail, SMS, Internet, Handy, Blackberry und Laptop – das alles sind nur technische Instrumente. Wie man sie nutzt, dafür ist jeder selbst verantwortlich. „Wir alle haben es in der Hand, mit dem Zeitdruck gekonnt umzugehen“, sagt Arbeitspsychologe Frese.

Wer aber nur Seminare für Zeitmanagement absolviert, „tappt häufig in eine Falle“, sagt Wilhelm Schmid-Bode, Stressforscher und Facharzt für psychotherapeutische Medizin. Teilnehmer lernen dort nur, ihre Zeit noch effizienter zu nutzen, „nicht aber, sich mehr Zeit zu lassen“.

Wer effektiver und kreativer werden will, müsse lernen, „Stille und Langsamkeit wieder zu genießen“, sagt Schmid-Bode. Ein Ort, an dem sich das lernen lässt, ist etwa die Abgeschiedenheit eines Klosters, in die es immer mehr Manager zieht. Die Idylle gibt ihnen die Möglichkeit, abzuschalten, Kraft zu tanken und zu sich selbst zu finden.

Entschleunigung liegt im Trend. Wellnessanbieter boomen dank ihrer Angebote wie Massage, Yoga und Meditation. Hotels wie das Sheraton in Chicago werben damit, dass die Gäste ihre Mobilfunkgeräte kostenlos wegschließen lassen können, und Fluglinien wie Air Berlin werben mit dem handyfreien Flug.

Es muss aber nicht gleich die Flucht ins Funkloch sein. Cem Basman etwa hat für sich eine ganz simple Lösung gefunden – allerdings eher unfreiwillig. Der frühere IT-Manager arbeitet heute als selbstständiger Berater, Initiator des Gründernetzwerks „StartupWeekend“ und Profi-Blogger. Rund 80 Prozent seiner Arbeit wickelt er über Handy, E-Mail und Internet ab, der persönliche Austausch mit seinen Kunden macht allenfalls 20 Prozent aus. Entsprechend wichtig sind für ihn seine technischen Geräte. Wie geht so einer damit um, wenn die Festplatte verreckt oder das Notebook geklaut wird? Beides passierte ihm kurz hintereinander. „Ich war kurz vor dem Herzinfarkt“, sagt Basman. Alles war weg: Adressen, Manuskripte, Schriftverkehr. Horror pur.

Das Missgeschick zeigte ihm aber auch, wie unnötig seine Panikattacke war. „Dabei habe ich festgestellt, wie unglaublich schnell Wissen veraltet“, sagt Basman. Viele Adressen, Manuskripte und Mails seien nach kurzer Zeit ohnehin irrelevant gewesen, andere Daten habe er leicht rekonstruieren können. Im Nachhinein sei er über den Verlust sogar froh gewesen, denn der habe ihm die Chance „für ein geistiges Aufladen“ gegeben. Er habe sich in dieser Zeit wieder auf das Wesentliche konzentriert: die wirklich wichtigen Informationen, die besten Freunde, die wichtigsten Gesprächspartner, die Familie. Seitdem löscht er sämtliche Blogeinträge in regelmäßigen Abständen: „Das befreit.“

Mal nicht erreichbar zu sein ist gut fürs Gemüt. Gleiches gilt auch im Umgang mit Kollegen. Werbemanagerin Heumann antwortet nur auf die allerwichtigsten E-Mails sofort. Auf alle anderen reagiert sie erst, wenn sie ungestört ist und sich konzentrieren kann. Das ist meist abends. So dehnt sich die Spanne zwischen E-Mail-Lesen und Beantworten aus. Vieles habe sich bis dahin „von selbst erledigt“. Heumann plädiert sehr für neue Umgangsformen elektronischer Kommunikation.

Solche Übereinkünfte unter Kollegen oder zwischen Chef und Mitarbeitern helfen, die Informationsflut frühzeitig einzudämmen. Das ist einfacher, als viele denken. Allein das Problem ehrlich anzusprechen kann bereits zur Lösung führen.

So war das auch bei Mars-Drinks-Chef Lischke. Verantwortungsbewusst, wie er ist, schickte er Mitarbeitern auch spätabends noch E-Mails. Ende Februar mailten Mitarbeiter seines Teams aus der Niederlassung im französischen Roissy eine Art Notruf zurück. Sie fühlten sich durch den nicht endenden Ideenfluss regelrecht „unter Druck“ gesetzt. Das Feedback zeigte Lischke, welches Vorbild er mit seinem eigenen Kommunikationsverhalten hat. Die Bitte der Franzosen brachte den gewünschten Erfolg: Seitdem sendet der Manager keine E-Mail mehr nach 19 Uhr.

Lesen Sie weiter auf Seite 8: Terror 2.0.

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