Eine exklusive Studie der Personalberatung Heidrick & Struggles belegt: Einseitige fachliche Karrieren - seien sie noch so kometenhaft - sind keine gute Vorbereitung für Top-Manager. Generalisten sind den Spezialisten als Unternehmenslenker klar überlegen.
DÜSSELDORF. Geschäftsführer und Vorstände sind auf ihre Aufgabe als Unternehmenslenker nicht besonders gut vorbereitet, wenn sie – wie hierzulande besonders häufig – eine rein fachliche Kaminkarriere hinter sich haben. Denn unternehmerische Erfahrung ist durch keine fachliche Expertise zu ersetzen. Das bestätigt die internationale Personalberatung Heidrick & Struggles, die exklusiv für das Handelsblatt 2 000 Profile von Managern weltweit analysiert hat.
Das Vorurteil, dass es Spezialisten oft an unternehmerischer Denke und Tatkraft fehle, wird durch diese psychologische Studie empirisch untermauert.„Es ist auffällig, wie unterschiedlich die Profile der General Manager aussehen im Vergleich zu ihren fachlich ausgerichteten Kollegen für Finanzen, Forschung & Entwicklung, Vertrieb, IT, Strategie oder Recht“, stellt Thomas Kell, Partner von Heidrick & Struggles fest.
Die Personalberater führen seit Jahren Management-Audits und Potenzialanalysen von Führungskräften durch. Diese Ergebnisse flossen in die aktuelle Untersuchung ein. General Manager zeichnen sich demnach vor allem dadurch aus, Markttrends besonders früh zu erkennen, und immer lernbereit zu bleiben. Sie zeigen darüber hinaus große Entscheidungskraft, Entschlossenheit und ein visionäres Führungsverhalten.
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„Fachlich geprägte Führungskräfte dagegen bekommen in unseren Potenzialanalysen insgesamt kein gutes Zeugnis, wenn es um deren Eignung für unternehmerische Aufgaben geht“, sagt Kell. Das gelte auch für Finanzmanager, die in puncto Lernbereitschaft und Entscheidungskraft häufig deutliche Schwächen hätten. Dies sei besonders bedauerlich, da sie in ihrer Funktion zunehmend wichtige Unternehmensentscheidungen fällten, betont der Personalfachmann. Chefentwickler hingegen sind laut Studie zwar überdurchschnittlich analytisch und kreativ, hätten jedoch oft klare Defizite, wenn es um entschlossenes und ergebnisorientiertes Umsetzen geht.
Einseitige fachliche Karrieren, und seien sie noch so kometenhaft, sind keine gute Vorbereitung für Manager, schlussfolgert die Studie. „Wer ganz an die Spitze will, sollte darauf achten, so früh wie möglich geschäftliche Gesamtverantwortung zu übernehmen – selbst zum Beispiel für eine noch so kleine Auslandstochter“, rät Kell. „Breite geht hier ganz klar vor Größe.“
Diese Erkenntnis beherzigen Unternehmen mit guter Personalförderung seit langem. General Electric etwa überträgt jungen Talenten früh unternehmerische Verantwortung für sogenannte Popcorn-Shops – kleine Geschäfte, in denen sie sich beweisen müssen. In Deutschland dagegen sei eine fachlich getriebene Karriereplanung noch weit üblicher als in angelsächsischen oder skandinavischen Unternehmenskulturen, kritisiert Kell. Fazit: Früh übt sich, wer ein CEO werden will.
