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11.11.2007 

Ihre kindliche Begeisterungsfähigkeit hat sie sich bis heute bewahrt. Im schmal geschnittenen Designerblazer sitzt sie in ihrem Besprechungsraum, nippt mit roten Jetlag-Augen an einem Haselnuss Latte macchiato und erzählt und erzählt. „Kennen Sie diesen chinesischen Bubble-Tea?“ fragt sie, und ihre Stimme überschlägt sich. „Die Kügelchen im Mund sind der Wahnsinn! – Wissen Sie, was das ist?“ Eine Antwort erwartet Kullmann nicht wirklich. Vielmehr ist sie als „Genussmensch“ – so bezeichnet sie sich selbst – stets auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. „Wenn ich etwas Neues sehe wie neulich diesen bunten Schokoriegel, dann muss ich den kaufen, dann muss ich da reinbeißen.“

Der Wagemut der Pionierin hat allerdings etwas gelitten. Alles auf einmal zu wollen und etwas erleben zu wollen ist der Balzac Coffee GmbH nicht immer gut bekommen. Im Sommer 1999 eröffnet Kullmann mit ihrem kleinen Team auf einen Schlag sechs neue Filialen – eine davon in München. Der Logistikaufwand ist zu groß. Die Filiale in München muss bald wieder schließen. „Vor die Mitarbeiter zu treten und das Aus zu verkünden hat mich sehr mitgenommen – zumal es ja nicht an ihnen lag und ich ihnen nicht einmal wie in Hamburg eine neue Stelle in einer anderen Filiale um die Ecke anbieten konnte“, sagt Kullmann.

Ein Tief in ihrer Unternehmensgründung, das sie nachhaltig geprägt hat. Auf die Frage etwa, ob Balzac Coffee nicht das ideale Franchise-Konzept wäre, antwortet sie: „Das System ist noch nicht ausgereift. Wir probieren noch viel – zum Beispiel Plundergebäck ja oder nein, Frühstück ja oder nein.“ Diese Experimente könne sie keinem Franchisepartner zumuten. Das System, ihr System müsse erst weiter standardisiert und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter erhöht werden. Für die rund 30 Bäcker etwa, die in der eigenen Bäckerei in Hamburg arbeiten, hat sie einmal weiße Mützen mit goldenem Schriftzug „Balzac Coffee“ entwerfen lassen.


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Die Büroetage in der Hamburger Innenstadt ist funktional eingerichtet, ohne anonym zu sein. Ihr Büro teilt sich Kullmann mit drei Kollegen. Hinter ihrem Schreibtisch am Kopfende des Raumes hängt eine großformatige Arbeit der Bühnenbildnerin Sabine Heeß. Das Thema: die Welt des Kaffees. Und im Buchregal zu ihrer Linken steht eine breite Front Kochbücher: „Würzen“, „Cookie Book“, „Food for Fifty“, „Bean Business Basics“.

Ausbeuterei und Systemgastronomie à la Starbucks, Mc Donald’s oder Dunkin’ Donuts – zwei Begriffe, die sich nicht unbedingt ausschließen. Auch Balzac Coffee sorgte in der Vergangenheit für Negativschlagzeilen. Kullmann verlange viel zu viel und bezahle schlecht, zu wenig, rumorte es. Um die Mitarbeiter auf Kurs zu bringen und fortzubilden, räumte Kullmann in der Unternehmensetage einen Raum für Schulungen frei. Storemanager werden zudem mit einem Bonussystem direkt am Erfolg ihrer Filiale beteiligt. Einen besonders erfolgreichen Manager schickt die Chefin schon einmal für ein Wochenende nach Mallorca.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: „Mein Buch ist keine Biografie, sondern soll motivieren.“

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