Ihre Erfahrungen als Unternehmerin, die Hochs und Tiefs bei Balzac Coffee, hat Kullmann in einem Buch niedergeschrieben. „Keine große Sache. Coffee to go oder wie man den Traum vom eigenen Unternehmen verwirklicht“ ist der Titel. In ihm erzählt Kullmann mit vielen Anekdoten und einfacher Sprache, wie sie ihren Weg gegangen ist, und spart dabei nicht an Tipps für Unternehmensgründer. „Mein Buch ist keine Biografie, sondern soll motivieren – alle diejenigen, die bisher den Schritt in die Selbstständigkeit noch nicht gewagt haben – Teetrinker inbegriffen!“ Das Buch, das im Mai erschienen ist, schlägt ein wie eine Bombe, wird zu einer großen Sache und ist inzwischen in dritter Auflage erschienen. Seit September ist Kullmann deshalb auf Tauchstation gegangen. Anfragen für Interviews lässt sie durch die eigens engagierte PR-Agentur abblocken. „Frau Kullmann will sich wieder auf das Geschäft konzentrieren“, heißt es.
Die neue Ernsthaftigkeit hat ihre theoretische Basis. Von 1999 bis 2001 klinkte sich Kullmann noch einmal aus. Sie studiert an der Elite-Universität Cornell im Bundesstaat New York Restaurant-Management. Mit dem Master in Hospitality Management kehrt sie an die heimische Espressomaschine zurück, überprüft die bis dato neun Filialen und plant den großen Sprung – und der glückt.
Im Jahr 2003 beteiligt sich der Private-Equity-Fonds Granville Baird mit einer qualifizierten Minderheit an Balzac Coffee. Die drei Millionen Euro fließen in die Expansion. Jede neue Filiale schaut sich Kullmann bis heute persönlich an. „Ich muss den Raum fühlen – das Licht, die Deckenhöhe, die Geräusche“, erzählt Kullmann und grinst in Erinnerung an ihre ersten Erfahrungen: „Ein Markttest reicht mir nicht – damals wie heute.“ Aus neun Filialen werden binnen vier Jahren 36, neben dem Laden in München müssen allerdings drei weitere wieder schließen.
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Die Professionalisierung kommt nicht von ungefähr. Die Pionierin ist nicht länger allein an der Espressomaschine. Die Kaffeekonkurrenz hat sich formiert. Der Kampf um die 156 Liter Kaffee, die die Deutschen durchschnittlich pro Kopf und Jahr trinken, ist entbrannt. Starbucks selbst kam im Jahr 2002 nach Deutschland, zwar drei Jahre nach Balzac Coffee, doch mit geballter Kraft. 108 Filialen hat die amerikanische Kaffeekette bisher in Deutschland eröffnet und ist in 28 Städten vertreten. In Hamburg leuchtete das schwarz-grüne Logo lange nicht – die Kaffeestadt galt als besetztes Gebiet. Im September 2006 eröffneten die Amerikaner dann aber ihre erste Filiale in einem Einkaufszentrum, fünf weitere folgten seitdem.
Eine lähmende Schreckensnachricht für die Kaffeekönigin von Hamburg? „Nein“, sagt Kullmann, nimmt einen Schluck aus ihrem 0,3-Liter-Becher Haselnuss Latte macchiato und streicht ihr Haar zurück, „Balzac Coffee schwimmt auf der Genusswelle mit.“
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