0 Bewertungen
16.02.2005 

Die rein deutsche Großkanzlei kommt bislang ohne einen Managing Partner aus. Die administrativen Aufgaben erledigt ein Verwaltungsausschuss ohne Exekutivrechte, dessen wesentliche Aufgabe darin besteht, die Partnertreffen und diejenigen Management-Entscheidungen vorzubereiten, die aktuell anstehen. "Unter gleichberechtigten Partnern ist es wichtig, einen Gesamtkonsens herzustellen. Wir haben demgemäß auch keine Hierarchien", beschreibt de Lousanoff die vergleichsweise komfortable Situation bei Hengeler Mueller. Allerdings hält auch de Lousanoff bei zunehmender Kanzleigröße einen Vollzeit-Kanzleimanager für unerlässlich.

Bei Linklaters Oppenhoff & Rädler hat dieses Amt Markus Hartung inne - und das bereits seit Mitte 1999. "Unsere Partner sind nicht nur Juristen, sondern auch Geschäftsleute. Sie können sehr wohl erkennen, welcher Partner die erforderlichen Qualitäten hat und welche Strategie für die Sozietät am Besten ist", verteidigt Hartung die Wahl des Kanzleimanagers aus dem Kreis der Sozien. Doch auch er weiß um die Risiken, die mit diesem Amt verbunden sind: "Nach drei, vier Jahren Pause in der Beratung sind zwar grundsätzlich juristisches und kaufmännisches Know-how noch vorhanden, aber zunächst einmal keine Mandanten, für die man zuständig ist." Hier seien die Kanzleien gefordert, die Wiedereingliederung des Managing Partners in das Mandatsgeschäft über einen sinnvollen Zeitraum zu erleichtern.

Trotz aller Schwierigkeiten: Einen Nicht-Partner als Geschäftsführer in einer großen Sozietät sieht Hartung so schnell nicht: "Wir haben sehr gute Mitarbeiter, die in Teilbereichen Verantwortung übernehmen. Alles, was ,Verwaltung? ist, kann man einem Nicht-Partner als Geschäftsführer übertragen. Aber dass die Partnerschaft die strategische Verantwortung einem Nicht-Partner überlässt - das wird es, wenn überhaupt, jedenfalls nicht in allzu naher Zukunft geben."

Amtskollege Leistikow von Lovells hält das dagegen langfristig keineswegs für ausgeschlossen. Derzeit funktioniere die Partnerschaft allerdings zu einem wesentlichen Teil noch nach dem alten Prinzip: "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Aber man muss erst einmal Krähe sein."

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Credit Suisse: Gemeinsam abwärts  Artikel in Merkliste

04.12.2008 von Torsten Riecke

Lange Zeit konnte sich die Credit Suisse hinter den Problemen ihrer großen Rivalin UBS verstecken. Das ist jetzt vorbei. Nach einem erneuten Verlust von drei Milliarden Franken und dem massiven Abbau von 5 300 Arbeitsplätzen steht die Nummer zwei der Schweiz plötzlich im Zentrum der Finanz- und Wirtschaftskrise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Käufer suchen  Artikel in Merkliste

04.12.2008 von Joachim Hofer

Das ganze Debakel zeigt: Infineon ist auf eigenen Beinen nicht überlebensfähig. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige