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09.10.2008 
Finanzkrise

Kein emotionaler Rettungsanker in Sicht

von Catrin Bialek

Trotz der Finanzkrise halten die meisten Bankinstitute an ihren bisherigen Werbebotschaften fest. Bankenkrise, Aktienkurse auf Talfahrt, drohender Staatsbankrott, verängstigte Bankkunden – all dies scheint kein Thema in der Werbung zu sein. Markenexperten halten dies für bedenklich und fordern eine bessere Kommunikation.

DÜSSELDORF. In den abendlichen Werbeblöcken der deutschen Fernsehsender ist von der immer weiter um sich greifenden Finanzkrise wenig zu spüren. Die Commerzbank bewirbt nach wie vor ihr kostenloses Girokonto, das derzeit mit einem Bonbon von 75 Euro Startguthaben garniert wird; die Deutsche Bank weist in einem TV-Spot auf ihre Festzinsanlage von 5,25 Prozent hin und schließt die Werbebotschaft mit dem wohlklingenden Slogan „Leistung aus Leidenschaft“; und die Postbank setzt in ihrer Reklame auf den Altersvorsorge-Check und fügt ihren neuen knackigen Claim „Unterm Strich zähl’ ich“ hinzu.

In der schönen, bunten Werbewelt scheint noch alles in Ordnung zu sein. Bankenkrise, Aktienkurse auf Talfahrt, drohender Staatsbankrott, verängstigte Bankkunden – all dies ist hier kein Thema. „Keine der deutschen Banken äußert sich zur Situation – da herrscht völlige Ratlosigkeit“, kritisiert Udo Klein-Bölting, Geschäftsführer der Düsseldorfer Unternehmensberatung BBDO Consulting. „Dabei müssten die Banken doch gerade jetzt alles tun, um das Vertrauen der Menschen wieder zu gewinnen.“

Das Mindeste, dass die Bankinstitute machen müssten, sei, „alle Maschinen auf Stopp“ zu stellen, meint der Berater. Dass Werbespots, Printanzeigen und Plakate, die vor vielen Wochen oder gar Monaten ersonnen wurden, weiter veröffentlicht werden, als sei nicht geschehen, ist seiner Ansicht nach ein Unding.

Handeln statt „Business as usual“ sollte die Devise stattdessen lauten. Klein-Bölting rät den Bankern zu Marketingmaßnahmen, die den Bankkunden am besten direkt ansprechen und ihm eventuelle Ängste nehmen. Dazu zählen Telefonhotlines, die Tag und Nacht geöffnet sind, Internetchats oder auch sorgfältige PR-Arbeit. „Das ist doch jetzt eine Riesenchance für die Kommunikationsagenturen“, ist Strategieberater Klein-Bölting überzeugt. Wer jetzt einen „emotionalen Rettungsanker“ auswerfe, würde damit dauerhaft bei seinen Kunden punkten.

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