0 Bewertungen
17.09.2007 
Klage des Insolvenzverwalters

Leo Kirch punktet gegen die Deutsche Bank

von Christoph Hardt

Im Kampf gegen die Deutsche Bank und ihren ehemaligen Chef Rolf Breuer hat der gescheiterte Medienunternehmer Leo Kirch einen erneuten Punktsieg erringen können. Das Landgericht München I wies am Freitag eine Klage des Insolvenzverwalters gegen Kirch und fünf weitere Manager der ehemaligen Dachgesellschaft des Kirch-Konzerns, der Taurus-Holding, ab.

MÜNCHEN. Dabei kritisierte Richter Martin Scholz die Rolle der Deutschen Bank so eindeutig, dass das Bankhaus für den anstehenden Schadenersatz-Prozess vorgewarnt sein muss. Das Verfahren war vor allem deshalb spannend, weil die Deutsche Bank den Insolvenzverwalter in dem Rechtsstreit zumindest indirekt unterstützt, indem sie im Sommer Forderungen des Insolvenzverwalters gegen Kirch aufgekauft hat.

Im Umfeld Kirchs vermutet man, Ziel des Geschäfts sei es gewesen, an Unterlagen zu kommen, die sich gegen Kirch verwenden lassen. Diese hätten sich nun als wertlos entpuppt.

Im Mittelpunkt des Streits steht das Interview des damaligen Bank-Chefs Rolf Breuer am 4. Februar 2002, in dem dieser die Zahlungsfähigkeit Kirchs indirekt infrage gestellt hatte. Der Medienunternehmer macht Breuer und die Bank seither für seine Insolvenz mitverantwortlich und hat eine Klagewelle losgetreten, darunter ein Schadenersatz-Verfahren, in dem er 1,6 Mrd. Euro fordert. Das Münchener Oberlandesgericht hat diesen Ansprüchen im Prinzip zugestimmt, nun wird über die Höhe der Summe gestritten.

Im Gegenzug hatte der Insolvenzverwalter auf die Rückzahlung von 9,3 Mill. Euro geklagt: Die Führung von Kirchs Taurus-Holding habe Zahlungen noch nach dem 5. Februar 2002 veranlasst, obwohl sie schon Insolvenz hätte anmelden müssen. (Az. 14 HK O 1877/07). Beobachter vermuten, die Bank habe im Verfahren vor allem darauf gehofft, eine Aussage zu erhalten, die bekräftigt, dass Kirch direkt nach Breuers Interview noch nicht zahlungsunfähig war.

Richter Scholz machte etwaige Hoffnungen zur Makulatur. Zwar sei die Deutsche Bank nicht direkt am Verfahren beteiligt, doch sei das Breuer-Interview Kern des Problems. Die Zahlungsunfähigkeit Kirchs sei nicht direkt nach dem Interview eingetreten, doch hätten Breuers Aussagen wie "schleichendes Gift" gewirkt.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Credit Suisse: Gemeinsam abwärts  Artikel in Merkliste

04.12.2008 von Torsten Riecke

Lange Zeit konnte sich die Credit Suisse hinter den Problemen ihrer großen Rivalin UBS verstecken. Das ist jetzt vorbei. Nach einem erneuten Verlust von drei Milliarden Franken und dem massiven Abbau von 5 300 Arbeitsplätzen steht die Nummer zwei der Schweiz plötzlich im Zentrum der Finanz- und Wirtschaftskrise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Käufer suchen  Artikel in Merkliste

04.12.2008 von Joachim Hofer

Das ganze Debakel zeigt: Infineon ist auf eigenen Beinen nicht überlebensfähig. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige