"Multipliziert mit neun, geteilt durch drei, hiervon 75 Prozent" - seit zwei Stunden doziert Rechtsanwalt Marc Langrock an diesem Tag mit der Attitüde des jungenhaften Strebers. Und allerlei Fachwörter gehen ihm dabei spielend über die Lippen: "Redundanzstrukturen", "Microbillings", "Remote- und Clustersysteme".
Die Schöffen sind derweil müde geworden ob all der Dinge, die sie da nicht verstehen. In Hamburg starren die Protagonisten eines veralteten Rechtssystems in sich hinein oder hinaus aus dem Fenster. Einer der Angeklagten legt Patiencen auf den Computer - und Richter Nikolaus Berger reibt sich verzweifelt über das Gesicht.
Der Vorwurf gegen Falk klingt eigentlich simpel. Gemeinsam mit Mitstreitern soll er den Wert der Internetfirma Ision mit Scheinumsätzen geschönt und die Firma dann an den britischen Konkurrenten Energis verkauft haben - Schaden für den Konkurrenten laut Staatsanwaltschaft: rund 45 Millionen Euro.
Immer wieder war auch mal von einem baldigen Urteil die Rede. Doch in Hamburg hört man derzeit nur gegenseitige Vorwürfe, wer den Prozess denn nun mehr verzögert.
Denn es ist eines der Verfahren, in denen Strafrecht und wirtschaftliche Einordnung heftig aufeinanderprallen. Ein Beispiel von vielen: Wie soll heute der exorbitante Preis von rund 760 Millionen Euro bewertet werden - im Rückblick auf die verrückten Zeiten der New Economy, als bloße Ideen bereits Millionen wert waren? Geht es wirklich um Betrug - oder nur um den damals weit verbreiteten Irrsinn?
Sven Thomas, Falks stimmgewaltiger Verteidiger, glaubt natürlich an Letzteres und an eine Justiz, die die Usancen in der Wirtschaft nicht kennt: "Die kapieren nicht, wie?s funktioniert", sagt Thomas.
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