0 Bewertungen
02.10.2007 
Corporate Social Responsibility

Mehr als nur Bäumchen pflanzen

von Bert Fröndhoff

Haben Unternehmen wirklich nur den einen Zweck? Maximale Gewinne zu erzielen? Nein, sagen laut einer aktuellen Umfrage immer mehr Verbraucher. Sie fordern von den Wirtschaftsführern mehr Verantwortung für Gesellschaft, Mensch und Natur. Das muss kein Nachteil sein.

Die Natur erhalten - dabei sehen Verbraucher zunehmend auch Unternehmen in der Pflicht. Lupe

Die Natur erhalten - dabei sehen Verbraucher zunehmend auch Unternehmen in der Pflicht.

Unter dem Stichwort Corporate Social Responsibility (CSR) hat sich ein neuer Megatrend in der Wirtschaft etabliert: Mehr Rücksicht auf Umwelt und auf gesellschaftliche Belange nehmen Firmen – so betonen sie gerne – zwar schon länger. Doch statt nur zu spenden und Bäumchen zu pflanzen, hält CSR stärker in die Strategien der Unternehmen Einzug. Motto: Wer nachhaltig wirtschaftet, wird von den Kunden belohnt. Wer nicht, wird boykottiert.

Doch funktioniert dieser Mechanismus wirklich? Zum Teil schon, legt eine neue Untersuchung von McKinsey nahe. Die führende Unternehmensberatung fragte bei 7 000 Verbrauchern aus sieben Ländern nach. Ergebnis: Fehlverhalten von Unternehmen wird nicht mehr hingenommen.

93 Prozent der deutschen Konsumenten halten es für selbstverständlich, dass Firmen einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten sollten – deutlich mehr als bei der gleichen Befragung ein Jahr zuvor. Nur sieben Prozent stützen die Aussage, dass Firmen allein den Zweck haben, größtmöglichen Gewinn unter Einhaltung der Gesetze zu erzielen. Briten und Amerikaner dagegen sehen die Unternehmen etwas weniger stark in der sozialen Pflicht.

Entscheidender für die Beantwortung der Ausgangsfrage aber ist: 56 Prozent der deutschen Konsumenten haben schon einmal Produkte bestimmter Nahrungsmittelhersteller nicht gekauft, weil man das Verhalten der Firma nicht akzeptierte. 39 Prozent haben aus demselben Grund anderen vom Kauf der Produkten abgeraten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Konsument als neue Macht?

Der Konsument als neue Macht? Ob der Mechanismus in anderen Branchen funktioniert, ist aus der Studie nicht ersichtlich. Klar sind hingegen die Prognosen der Unternehmen selbst, wie eine weitere McKinsey-Befragung von 400 Vorständen und Geschäftsführern zeigt: Sie erwarten, dass die Verbraucher in den nächsten fünf Jahren wichtigste Stakeholder von Unternehmen werden – also die wichtigste Gruppe im sozialen Gefüge eines Unternehmens. Konsequenz laut McKinsey: CSR ist längst nicht mehr Philanthropie, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit.

Die steigenden Ansprüche der Konsumenten an das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen können vor allem dem Mittelstand Chancen bringen. Denn dem vertrauen laut der McKinsey-Studie Befragten wesentlich mehr. Am höchsten in der Gunst der Deutschen liegen kleine, regionale Firmen.

Mit wachsendem Misstrauen dagegen werden die großen globalen Unternehmen beäugt: Nur 25 Prozent der Deutschen glauben, dass große Konzerne einen eher positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten – im vorigen Jahr waren es noch 30 Prozent.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Credit Suisse: Gemeinsam abwärts  Artikel in Merkliste

04.12.2008, 08:51 Uhr von Torsten Riecke

Lange Zeit konnte sich die Credit Suisse hinter den Problemen ihrer großen Rivalin UBS verstecken. Das ist jetzt vorbei. Nach einem erneuten Verlust von drei Milliarden Franken und dem massiven Abbau von 5 300 Arbeitsplätzen steht die Nummer zwei der Schweiz plötzlich im Zentrum der Finanz- und Wirtschaftskrise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Käufer suchen  Artikel in Merkliste

04.12.2008, 05:21 Uhr von Joachim Hofer

Das ganze Debakel zeigt: Infineon ist auf eigenen Beinen nicht überlebensfähig. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige