Die Kommission habe ausdrücklich kein K.o.-System gewollt, das solche Wechsel ausschließe. Er selbst habe in dieser Frage schon resigniert, sagte Cromme auf der Tagung. Der Stahlmanager war selbst schon vor Jahren vom Vorstandsvorsitz bei Thyssen-Krupp in den Chefsessel des Aufsichtsrats gewechselt. Erst später nahm die Kodex-Kommission unter seiner Leitung die Empfehlung auf, dass der Wechsel der Vorsitzenden vom Vorstand in den Aufsichtsrat „nicht die Regel“ sein soll.
„Gerade in komplexen, großen Dax-Gesellschaften,“ sagte Cromme, „ist es oft sinnvoll, frühere Vorstände zu bestellen.“ Dabei nannte er ausdrücklich Banken. Die Kandidaten müssten sich allerdings über das geänderte Rollenverständnis im Klaren seien. „Ein früherer Vorstandsvorsitzender darf nie der Versuchung unterliegen, aus der Funktion des Aufsichtsratsvorsitzenden weiter das Unternehmen zu leiten.“
Der Commerzbank-Aufsichtsratsvorsitzende Müller übernimmt zum 1. Juli die Leitung der Kodex-Kommission. Cromme zieht sich aus dem Gremium ganz zurück, weil er sich mehr auf seine Mandate als Aufsichtsrat konzentrieren will. Er ist unter anderem auch Chefaufseher bei Siemens. Das Unternehmen muss derzeit einen der größten Skandale um schwarze Firmenkassen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte aufarbeiten.
