Wie konnte die Göttinger Gruppe sich gegenüber permanenter Kritik so lange behaupten? Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen waren die Sparpläne sehr langfristig angelegt - mit Fristen bis zu 40 Jahren. Vertraglich war es sehr schwer für Anleger, vorzeitig auszusteigen. Dadurch wurde die finanzielle Schieflage viel langsamer sichtbar als bei schnellen Schneeballsystemen, die hohe Renditen in kurzer Frist versprechen. Zum anderen hat Rinnewitz sehr geschickte Öffentlichkeitsarbeit betrieben und sich aktiv als Sponsor betätigt - zeitweise kickten zum Beispiel der VfB Stuttgart oder TeBe Berlin mit seiner Werbung auf dem Trikot.
Ferner hat Rinnewitz systematisch prominente Gutachter für sich arbeiten lassen und mit deren Expertisen bei Prozessen und in der Öffentlichkeit geglänzt. Wer sich die Gutachten näher anschaute, stellte fest, dass sie sich immer nur auf Teilaspekte wie Bilanzfragen oder steuerliche Einordnung der Securente bezogen, niemals aber auf die Werthaltigkeit des gesamten Konzepts. Und so verliefen in der Regel auch die Prozesse: Die Richter konzentrierten sich auf Detailfragen, aber untersuchten nicht das Gesamtkonzept - wohl auch aus schlichter Unfähigkeit, es zu verstehen. Dadurch errang die Göttinger Gruppe immer wieder Teilsiege; 1996 etwa bescheinigte ihr das OLG Celle, kein Schneeballsystem zu betreiben (was später ein anderes Gericht wieder anders sah). Vor dem Kammergericht Berlin gewann Rinnewitz gegen die Bankenaufsicht - die Richter gaben zu erkennen, dass sie die Zweifel der Aufsicht am Anlagesystem nicht nachvollziehen konnten. Jedes derartige Urteil nutzte Rinnewitz, um alle Vorwürfe der Kritiker in Bausch und Bogen zurückzuweisen.
Die Geschichte der Göttinger Gruppe ist daher auch ein dunkles Kapitel der deutschen Justiz, die über weite Strecken mit dem Thema einfach überfordert war.
Bewegte Zeiten
1986: Erwin Zacharias gründet die Langenbahn AG, die Vorgängerin der Göttinger Gruppe (GG).
1993: Der Infodienst "DFI-Gerlach-Report" prangert erstmals das Anlageangebot der Langenbahn AG als "Schneeballsystem" an.
1997: Die GG kauft das notleidende Bankhaus Partin. Die Bankenaufsicht versagt ihr aber die Banklizenz und schließt das Institut.
Ende 1999: Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BaKred) verbietet der GG, Guthaben aus Sparplänen in Raten auszuzahlen.
Mai 2000: Die Bankenaufsicht fordert die Staatsanwaltschaft Braunschweig auf, gegen die GG zu ermitteln.
November 2000: Die Göttinger Gruppe stellt den Vertrieb ihrer umstrittenen stillen Beteiligungen ein.
Januar 2002: Die zur GG gehörenden Securenta AG wendet ein vorläufiges Insolvenzverfahren ab.
Oktober 2006: Die GG verkauft aus Geldnot ihre Tochtergesellschaft Gutingia an Fortis
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