Einer von ihnen ist Jochen Hauff, der nach der Geburt seiner Tochter ein Jahr in Elternzeit ging. Seit April ist der Volkswirt wieder zurück im Job. Die Auszeit hat dem Manager der Unternehmensberatung A.T. Kearney nicht geschadet – im Gegenteil. „Ich habe diese Monate auch genutzt, um über meine Arbeit hinauszuschauen. Dazu kommt man im Alltag nicht. Und ich konnte eine neue Position definieren, die sich besser mit der Vaterrolle vereinbaren lässt.“ Jetzt koordiniert Hauff die weltweite Nachhaltigkeitsinitiative des Hauses. Während er früher zwischen Warschau und Berlin pendelte, hat er nun mehr Zeit für Frau und Kind.
In den ersten Firmen hat ein Umdenken begonnen, zumal gute Fachkräfte rarer werden. „Gerade jüngere Personalvorstände sind offen dafür, aber es fehlt vielfach an Konzepten“, beobachtet Väterexperte Baisch. Firmen müssten klar kommunizieren, dass sie dahinterstehen, wenn Männer beides wollten. Denn in vielen Köpfen spuke noch die Angst vorm Karriereknick.
Autobauer Ford hat die Väter bereits auf dem Schirm. Jede Führungskraft durchläuft ein Pflichttraining, um die Sensibilität für veränderte Familienformen und Rollenbilder zu schärfen. Seit sechs Jahren gibt es ein Familiennetzwerk, das auch Workshops für berufstätige Väter anbietet. 2007 gingen 30 Ford-Männer in Elternzeit.
„Mitarbeiter, denen die Möglichkeit gegeben wird, ihre Arbeitszeit zu reduzieren oder vom Home-Office zu arbeiten, sind sehr motiviert. Ihre Identifikation mit der Firma steigt“, betont Robert Schilling, der das Netzwerk von Ford koordiniert. Seine Beobachtung deckt sich mit der Väter-Studie der Hessenstiftung. 93 Prozent der Befragten sagen: Gelebte Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz wirkt sich positiv auf die Motivation aus. Für die Hälfte ist sie zudem ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers.
Bei A.T. Kearney macht sich Zentraleuropachef Dietrich Neumann seit zwei Jahren für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Karriere stark. Er ist überzeugt: „Unternehmen, die diesen Aspekt außer Acht lassen, haben es künftig schwer.“ Neumann selbst gehört zu den Rabenvätern wider Willen. Noch heute bedauert er: „Zur Geburt unserer Tochter vor 14 Jahren konnte ich nur drei Wochen aussetzen.“
Mitarbeit: Katrin Terpitz
