0 Bewertungen
05.04.2008 

Einer von ihnen ist Jochen Hauff, der nach der Geburt seiner Tochter ein Jahr in Elternzeit ging. Seit April ist der Volkswirt wieder zurück im Job. Die Auszeit hat dem Manager der Unternehmensberatung A.T. Kearney nicht geschadet – im Gegenteil. „Ich habe diese Monate auch genutzt, um über meine Arbeit hinauszuschauen. Dazu kommt man im Alltag nicht. Und ich konnte eine neue Position definieren, die sich besser mit der Vaterrolle vereinbaren lässt.“ Jetzt koordiniert Hauff die weltweite Nachhaltigkeitsinitiative des Hauses. Während er früher zwischen Warschau und Berlin pendelte, hat er nun mehr Zeit für Frau und Kind.

In den ersten Firmen hat ein Umdenken begonnen, zumal gute Fachkräfte rarer werden. „Gerade jüngere Personalvorstände sind offen dafür, aber es fehlt vielfach an Konzepten“, beobachtet Väterexperte Baisch. Firmen müssten klar kommunizieren, dass sie dahinterstehen, wenn Männer beides wollten. Denn in vielen Köpfen spuke noch die Angst vorm Karriereknick.

Autobauer Ford hat die Väter bereits auf dem Schirm. Jede Führungskraft durchläuft ein Pflichttraining, um die Sensibilität für veränderte Familienformen und Rollenbilder zu schärfen. Seit sechs Jahren gibt es ein Familiennetzwerk, das auch Workshops für berufstätige Väter anbietet. 2007 gingen 30 Ford-Männer in Elternzeit.

„Mitarbeiter, denen die Möglichkeit gegeben wird, ihre Arbeitszeit zu reduzieren oder vom Home-Office zu arbeiten, sind sehr motiviert. Ihre Identifikation mit der Firma steigt“, betont Robert Schilling, der das Netzwerk von Ford koordiniert. Seine Beobachtung deckt sich mit der Väter-Studie der Hessenstiftung. 93 Prozent der Befragten sagen: Gelebte Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz wirkt sich positiv auf die Motivation aus. Für die Hälfte ist sie zudem ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers.

Bei A.T. Kearney macht sich Zentraleuropachef Dietrich Neumann seit zwei Jahren für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Karriere stark. Er ist überzeugt: „Unternehmen, die diesen Aspekt außer Acht lassen, haben es künftig schwer.“ Neumann selbst gehört zu den Rabenvätern wider Willen. Noch heute bedauert er: „Zur Geburt unserer Tochter vor 14 Jahren konnte ich nur drei Wochen aussetzen.“

Mitarbeit: Katrin Terpitz

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Zu spät, zu teuer  Artikel in Merkliste

09.10.2008 von Eric Bonse

Man muss ein unerschütterlicher Optimist sein, um noch an die Zukunft des europäischen Satellitensystems Galileo zu glauben. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Jenseits der Panik  Artikel in Merkliste

08.10.2008 von Frank Wiebe

Zugegeben, es fällt schwer, das berühmte Licht am Ende des Tunnels oder Silberstreifen am Horizont zu entdecken. Selbst eine Hilfsaktion der Notenbanken und Regierungen kann die Märkte nur mit Mühe wenigstens zeitweise beruhigen. Dennoch: In einigen Jahren werden rückblickend vielleicht feststellen, dass in diesen Tagen die Wende zum Guten ihren Anfang nahm. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Werbesprüche-Quiz: Auf Kundenfang mit dem Wir-Gefühl

Los geht's!Seit 1990 ist „Wir“ das wichtigste Wort in der Werbesprache. Wissen Sie, wer noch mit dem Sinn für Gemeinschaft auf Kundenfang geht?
Testen Sie Ihr Wissen!
Anzeige