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02.02.2008 
Leistungsbewertung

Rückspiegel mit blinden Flecken

von Katrin Terpitz

360-Grad-Feedbacks von Chefs, Mitarbeitern und Kollegen sollen Managern die nötige Erdung geben. Heikel wird es allerdings dann, wenn die Beurteilung über die Karriere entscheidet. Während viele Manager unterschwellig Angst davor haben, sich der allgemeinen "Benotung" zu stellen, bezeichnen Kritiker die Maßnahme als "Kuhhandel".

Ein Mitarbeiter benotet seinen Chef. Sechs von zehn Managern finden es schwer, ein ehrliches Feedback zu bekommen. Foto: dpaLupe

Ein Mitarbeiter benotet seinen Chef. Sechs von zehn Managern finden es schwer, ein ehrliches Feedback zu bekommen. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Hand aufs Herz: Von wem kriegt eine Führungskraft schon ehrliches Feedback? Meist nur zu Hause von der nörgelnden besseren Hälfte oder den respektlosen Kindern. Vorzimmer und Mitarbeiter wollen dem Chef gefallen und ballen die Faust lieber in der Tasche. Kollegen halten sich mit Lob und Tadel bedeckt. Und der oberste Vorgesetzte schaut in vielen Unternehmen ohnehin nur auf die Zahlen.

Sechs von zehn Führungskräften finden es schwer, ehrliche Meinungen über ihre Leistung zu bekommen. Das ergab eine Umfrage der Personalberatung DDI unter 200 Managern. Die Gefahr: Je höher sie kommen, umso mehr verlieren Manager die Erdung und den Realitätsbezug. "Es ist gar nicht lange her, da hatte ein deutscher Vorstandschef nur wenig kritische Rückmeldung. Er war daher nahezu gottgleich und im Effekt so gut wie unantastbar", erinnert Thomas Kell, Partner der Personalberatung Heidrick & Struggles.

In den USA dagegen gilt schon länger das Motto: "Feedback is the breakfast for champions." Carolin Rudy, Beraterin von DDI Deutschland, betont: "Manager sind heute angewiesen auf Rückmeldung, denn ihre Führungsrolle wird immer komplexer, der Druck steigt, sich ständig zu verbessern." Dafür reicht die eindimensionale Bewertung durch Vorgesetzte von oben nach unten nicht aus.

Das hatte Reinhard Mohn bei Bertelsmann früh erkannt. Schon 1975 bat er seine Vorstände, ihn als Chef zu beurteilen. Im Medienkonzern hat die Feedbackkultur heute einen festen Platz. Beispielsweise bewerten die Mitarbeiter einmal im Jahr per Fragebogen anonym ihren Vorgesetzten.

Im anschließenden Januar-Gespräch sprechen Mitarbeiter und Vorgesetzte offen über das gesammelte Feedback, moderiert wird dies von einer Vertrauensperson, die die Gruppe zuvor bestimmt. Im Gespräch werden gemeinsam Maßnahmen vereinbart, um die Zusammenarbeit in der Gruppe und das Führungsverhalten zu verbessern.

Noch weiter geht die Idee des 360-Grad-Feedbacks, eine Rundum-Beurteilung durch Mitarbeiter, Kollegen, Chefs oder auch Kunden. Sie verbreitete sich in den 80er-Jahren in den USA. "Eine recht unverblümte Methode, Menschen wachzurütteln und sie auf ihre von Kollegen und Untergebenen unerwünschten Verhaltensweisen aufmerksam zu machen", findet Jack Welch, Ex-Chef von General Electric.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Verzerrte Wertungen durch Schönfärberei

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