0 Bewertungen
02.02.2008 

Auch der Amerikaner Welch sieht das Problem des Kuhhandels. "Spätestens ab dem zweiten Mal wird unvermeidlich manipuliert. Das funktioniert wie bei der nuklearen Abschreckung. Am Ende klingt das Feedback-Pingpong der Kollegen völlig gleich - nämlich positiv." Welch rät deshalb dazu, es nur alle paar Jahre einzusetzen.

Was Welch übersieht: Unbrauchbare Ergebnisse entstehen vor allem dann, wenn 360-Grad-Feedbacks über Beförderung oder Gehälter (mit)entscheiden. Von diesem gefährlichen Ansatz rücken Firmen immer mehr ab. "Studien belegen, dass Verhaltensänderungen und Renditen dann am größten sind, wenn sie als reine Entwicklungshilfe genutzt werden", sagt Rudy.

Ein weiteres Problem: Die meisten Auswertungen sind zu komplex. Viele Firmen schicken ihren Managern zahlengespickte Beurteilungen - und lassen sie damit allein. Im Hause Vaillant ist das Nachgespräch mit dem Vorgesetzten Pflicht. Schwachpunkte können Führungskräfte dann mit einem Coach glattbügeln. Ganz schief lief es bei einer IT-Firma: Sie wollte sparen und ließ nur die schlechtesten vier Manager coachen. "Die waren vor der ganzen Firma als Flaschen bloßgestellt", erzählt Psychologe Wottawa.

Inzwischen kommen erste Firmen davon ab, eine Unzahl von Kompetenzen wie Team- oder Innovationsfähigkeit abzubilden. Rudy: "Sie legen den Fokus auf zwei bis drei Stärken und Schwächen - so ist die Botschaft viel klarer."

In den meisten Firmen bleiben Mitarbeitern die Noten ihres Chefs verborgen. Vielleicht ändert sich das bald: Professoren sind im Internet schon unter Meinprof.de anonym zu bewerten. Meinchef.de ist schon reserviert.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Credit Suisse: Gemeinsam abwärts  Artikel in Merkliste

04.12.2008 von Torsten Riecke

Lange Zeit konnte sich die Credit Suisse hinter den Problemen ihrer großen Rivalin UBS verstecken. Das ist jetzt vorbei. Nach einem erneuten Verlust von drei Milliarden Franken und dem massiven Abbau von 5 300 Arbeitsplätzen steht die Nummer zwei der Schweiz plötzlich im Zentrum der Finanz- und Wirtschaftskrise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Käufer suchen  Artikel in Merkliste

04.12.2008 von Joachim Hofer

Das ganze Debakel zeigt: Infineon ist auf eigenen Beinen nicht überlebensfähig. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige