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05.03.2007 
Wenn es beim Internet-Banking hakt

Schlechte Chancen gegen Online-Broker

von Barbara Wege

Online-Broking ist bequem, schnell und günstig. Vorausgesetzt die Technik funktioniert. Doch bei heftigen Börsenturbulenzen wollen fast alle User gleichzeitig handeln. Dann kann Kunden zeitweise der Zugang zu ihren Konten verwehrt bleiben. Das kann die Anleger Bares kosten. Es gibt nur eine Chance, dieses Problem zu vermeiden.

Illustration: Handelsblatt.com

Illustration: Handelsblatt.com

DÜSSELDORF. Wenn zu viele User gleichzeitig auf eine Bank-Seite zugreifen wollen, brechen die Server zusammen. So geschehen am vergangenen Mittwoch: Als die Kurse an diesem Tag fielen, konnten sich Kunden zeitweise nicht bei großen Brokern wie Comdirect und DAB einloggen. Das verärgerte Anleger. In Internet-Foren machten sie ihrer Wut Luft. "Habe versehentlich vor einiger Zeit mal einen Dax Put auf ING-Diba gekauft. Heute sollte er raus. Limit vorhin x-Mal erreicht, aber Order nicht ausgeführt", schrieb der Internetuser "Der Ritter" jenem Mittwoch auf "wallstreet-online.de". Der Nutzer "IDTE" reagierte mit noch schärferer Kritik: "Comdirect ist aber auch so was von tot."

Zum zwischenzeitlichen Stressabbau mag das Posting im Internet zwar gereichen. Geld, das die Kunden möglicherweise deshalb verloren haben, weil sie nicht schnell genug über ihre Papiere verfügen konnten, bekommen die Anleger so nicht zurück. Betroffene Aktionäre könnten einzig versuchen, Schadensersatzforderungen gegenüber ihrer Bank geltend zu machen. "Die Chancen auf Erfolg stehen aber eher schlecht", sagt der Thomas Hechtfischer, nordrhein-westfälerischer Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Zwar will der Jurist keine pauschale Aussage treffen: Im Einzelfall komme es darauf an, was in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Banken stehe.

Bei der Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen sieht Hechtfischer aber vor allem ein Problem: "Wie soll der Betroffene den Schaden nachweisen?" Will heißen: Wie soll der Anleger beweisen, dass er ein bestimmtes Wertpapier verkauft hätte, wenn er Zugang zu seinen Konten gehabt hätte. Carel Mohn vom Bundesverband Verbraucherzentrale rät deshalb Kunden, die sich nicht einloggen können, ihre Geschäfte per Telefon oder Fax zu tätigen.

Ähnlich argumentieren die großen Broker-Anbieter: "Es ist doch die logische Konsequenz, zum Telefon zu greifen", sagt Carolin Amann, Sprecherin der DAB-Bank. Per Telefon hätten die Anleger jederzeit ihre Geschäfte tätigen können. Die Bank habe an jenem Mittwoch angesichts der Probleme im Netz die Personalkapazitäten im Call-Center aufgestockt. Zusätzliche Kosten hätten den Kunden nicht fürchten müssen: Zwar müssten Aktionäre für eine Telefon-Order normalerweise 10 Euro bezahlen. Wenn die Bank-Server aber streikten, müssten sie diesen Betrag nicht berappen. Auch Ullrike Hamer, Sprecherin von Comdirect versichert: "Wir waren jederzeit über Telefon und Fax erreichbar."

Bleibt die Frage, ob Banken, die sich explizit als Online-Spezialisten verkaufen, nicht dafür zu sorgen haben, auch einen großen Nutzeranstrum abfangen zu können. Der Jurist und Verbraucherschützer Hechtfischer meint, dass man den Banken nur dann grobe Fahrlässigkeit nachweisen könne, wenn sie gar keine Vorkehrungen für erhöhte Nachfrage getroffen hätten. Für Schadensersatzsprüche bedarf es aber einer solchen Pflichtverletzung. "Diese kann man in einem solchen Ausnahmefall nicht nachweisen", bestätigt Niels Nauhauser, zuständig für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Die Online-Banken versichern freilich, ausreichend gewappnet zu sein. Der Ansturm am vergangenen Mittwoch sei in der Tat ein absoluter Ausnahmefall gewesen, sagt Ullrike Hamer von Comdirect: "Das war eine Last auf unserer Website, die es so noch nie gegeben hat." Am Morgen sei der Traffic auf der Seite fünfmal so hoch gewesen wie normalerweise. Bereits am Abend zuvor sei doppelt soviel Betrieb gewesen wie gewöhnlich. "Das haben unsere Server aber noch geschafft."

Dennoch wollen die Marktführer von Comdirect versuchen, Pannen wie die am vergangenen Mittwoch künftig zu vermeiden. Ein mehrköpfiges Team arbeite daran, dass die Bank künftig auch großen Nutzeranstürmen gerecht werden könne. "Wir haben unsere Serverkapazitäten bereits ausgeweitet und werden das noch weiter tun", verspricht Hamer.

Link:
» www.dsw-info.de

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