0 Bewertungen
05.06.2008 

Als Bölstler kam, konnte er keine aktuellen Verkaufszahlen abrufen. Bei Daimler sind dagegen nicht nur alle Kennziffern verfügbar, sondern auch die künftigen Ziele. So weit ist Fuso bis heute nicht. Der eher vage Ansatz galt sogar bei Planung eines neuen Lasters. Statt von einer Kostenvorgabe kommend erst den Aufwand für einzelne Teile zu schätzen, entwickelten die Fuso-Ingenieure direkt los - so dass der Preis für das Projekt während dessen Entstehung unkontrolliert wuchs. "Wir haben das Verfahren am Anfang nicht begriffen. Die immer neuen Zahlen haben uns schier wahnsinnig gemacht. Wir haben erst gedacht, die planen ja vielleicht einen Mist", sagt der Daimler-Mann.

Wichtigstes Instrument, die neue Richtung durchzusetzen, war die Personalplanung. Sie sieht heute komplett anders aus als zum Amtsantritt. In Japan ist es noch nicht selbstverständlich, dass Ergebnisse wichtiger sind als Dauer der Betriebszugehörigkeit. Ein 71-jähriger Firmenpräsident aus der Mitsubishi-Gruppe hatte Bölstler daher nach Amtsantritt geraten: "Sie müssen junge Führungskräfte einstellen!" Und das traditionelle Senioritätsprinzip? "Alles Bullshit!" sagte der Japaner.

Daimler brüstet sich mit vier Werten, die konzernweit gelten sollen: Disziplin, Respekt, Integrität und Leidenschaft. Bei Fuso sind nicht alle leicht umsetzen. "Die ersten drei könnten die Japaner selbst erfunden haben", sagt Bölstler. Die Förderung von "Leidenschaft" sei aber ziemlich schwierig. Japaner neigen dazu, ihre Gefühle zu verstecken. Abends und privat zeigen sie jedoch viel Emotionen. Es komme jetzt darauf an, den Mitarbeitern in ihren grauen Anzügen ein bisschen Extrovertiertheit auch in der Firma zu erlauben. Stärker ausgeprägt ist eher noch das Beharrungsvermögen. Das mag Bölstler aber lieber als Kehrseite davon sehen, dass seine Mitarbeiter sich auf seinen Befehl hin präzise an vorgegebene Verfahren halten. Das weiß der Manager sehr zu schätzen.

"Mitsubishi Fuso hat sich grundlegend geändert", sagt Roman Ditzer, Experte für die japanische Autoindustrie bei der Japanberatung Jeb Interlogue, und verweist auf den Einfluss von Daimler. Überraschender Effekt: "Es hat auch ein Reimport von Ideen nach Japan stattgefunden", sagt er. Nicht alle japanischen Konzerne arbeiten nach dem bekannten Toyota-Modell. Doch auf dem Umweg über Stuttgart sei beispielsweise die Toyota-Idee von Kaizen, der ständigen Verbesserung, auch bei Fuso in Kawaski angekommen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Credit Suisse: Gemeinsam abwärts  Artikel in Merkliste

04.12.2008 von Torsten Riecke

Lange Zeit konnte sich die Credit Suisse hinter den Problemen ihrer großen Rivalin UBS verstecken. Das ist jetzt vorbei. Nach einem erneuten Verlust von drei Milliarden Franken und dem massiven Abbau von 5 300 Arbeitsplätzen steht die Nummer zwei der Schweiz plötzlich im Zentrum der Finanz- und Wirtschaftskrise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Käufer suchen  Artikel in Merkliste

04.12.2008 von Joachim Hofer

Das ganze Debakel zeigt: Infineon ist auf eigenen Beinen nicht überlebensfähig. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige