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25.02.2008 
Steueraffäre

Schweizer Banken sind gut abgesichert

Auch in der Schweiz gibt es Befürchtungen, nach dem Nachbarn Liechtenstein selbst ins Visier ausländischer Steuerfahnder geraten zu können. Allerdings sind die Eidgenossen nach Ansicht von Experten durch eine Reihe von internationalen Verträgen gut vorbereitet.

rtr ZÜRICH. "Die Schweiz hat ein großes Netzwerk von Steuerabkommen, das ständig erweitert wird. Informationen werden bei einer ganzen Reihen von Fällen ausgetauscht", sagte OECD-Steuerexpertin Grace Perez-Navarro. Allerdings seien diese Fälle streng eingegrenzt, wie etwa Steuerbetrug durch Urkundenfälschung.

Das symbolträchtige Bankgeheimnis wurde in den vergangenen zehn Jahren bereits still und heimlich gelockert. Mit rund einem Dutzend Staaten wurde vereinbart, dass die Banken in den schlimmsten Fällen von Steuerhinterziehung ihre Bücher öffnen. Anders in Liechtenstein: Das Fürstentum steht zusammen mit Andorra und Monaco auf einer von der OECD erstellten Schwarzen Liste von unkooperativen Steueroasen.

Und Schweizer Geldhäuser haben noch weiter vorgesorgt. Dank eines Zinsabkommens mit der Europäischen Union, bei dem ein Teil der Zinseneinnahmen ausländischer Kunden anonym an deren Heimatländer überwiesen wird, sei die hiesige Finanzszene ganz gut vor weiteren juristischen Ermittlungen abgesichert, sagte Hans Geiger, Professor am Swiss Banking Institute der Universität Zürich.

Falls es ausländischen Ermittlern jedoch gelingen sollten, auf Kontodaten der verschwiegenen Privat-Bankiers aus Zürich oder Genf zurückzugreifen, käme das für sie einem Sechser im Lotto gleich. "Die Schweiz ist der wesentlich größerer Finanzplatz, da sind viel mehr Gelder angelegt als im kleinen Liechtenstein."

Das Land ist bei weitem das schwergewichtigste Offshore-Finanzzentrum der Welt, in dem Ausländer ihr Geld anlegen können. Insgesamt betreuen seine Banken Vermögen von 5,3 Billionen Franken (3,3 Billionen Euro), wovon 60 Prozent oder 3,2 Billionen Franken (zwei Billionen Euro) aus dem Ausland stammen. Zum Vergleich: das deutsche Bruttoinlandsprodukt lag 2006 bei rund 2,3 Billionen Euro. So ist es nicht verwunderlich, dass auch einige der weltgrößten Vermögensverwaltungsbanken in dem kleinen Land ansässig sind.

Die UBS ist trotz der Finanzkrise weiter Branchenprimus, und schräg gegenüber am Paradeplatz in Zürich hat mit der Credit Suisse auch noch die Nummer Vier ihren Sitz.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Ton wird rauer

Deutsche Politiker versuchen derweil, im Windschatten des Steuerstreits mit Liechtenstein den Druck auf die Eidgenossenschaft zu erhöhen. "Es geht nicht nur um Liechtenstein. Wir reden auch über die Schweiz, über Luxemburg oder über Österreich. Wir wollen den Steueroasen in Europa den Kampf ansagen", sagte Finanzminister Peer Steinbrück der "Bild am Sonntag".

Sein Amtsvorgänger und Bundestagsabgeordneter Hans Eichel wird in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag" noch deutlicher: "Für uns leisten die Schweizer Banken objektiv Beihilfe zur Steuerhinterziehung von deutschen Bürgern. Da muss man begreifen, dass wir zornig werden." Steuerhinterziehung gehöre quasi zum "Geschäftsmodell" der Banken.

Aber auch wenn deutsche Volksvertreter das Bankgeheimnis vielleicht nicht knacken werden, drohen ihm noch andere Gefahren. Denn dass einmal ein Bankeninsider die Kundendaten weiterverkauft wie bei der LGT geschehen, ist nach Ansicht von Professor Geiger bei den Eidgenossen eigentlich längst überfällig. "Das Schweizer Bankgeheimnis ist ein Schnäppchen", sagte der Professor. Im Falle einer Verletzung drohten höchsten ein halbes Jahr Gefängnis und 50 000 Franken Strafe. "Wenn ich für einen Geheimnisverrat aber beispielsweise acht Millionen Franken bezahlt kriege, ist das trotz Strafe immer noch ein sehr gutes Geschäft."

Und dass Deutschland nach den rund 4,2 Millionen Euro für den LGT-Überläufer für weitere vertrauliche Kontodetails seiner Staatsbürger noch mehr Geld auf der hohen Kante hat, lässt Steinbrück durchblicken: "Die Bundesrepublik Deutschland hat ein massives Interesse daran, solche Daten entgegenzunehmen."

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