Deutsche Politiker versuchen derweil, im Windschatten des Steuerstreits mit Liechtenstein den Druck auf die Eidgenossenschaft zu erhöhen. "Es geht nicht nur um Liechtenstein. Wir reden auch über die Schweiz, über Luxemburg oder über Österreich. Wir wollen den Steueroasen in Europa den Kampf ansagen", sagte Finanzminister Peer Steinbrück der "Bild am Sonntag".
Sein Amtsvorgänger und Bundestagsabgeordneter Hans Eichel wird in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag" noch deutlicher: "Für uns leisten die Schweizer Banken objektiv Beihilfe zur Steuerhinterziehung von deutschen Bürgern. Da muss man begreifen, dass wir zornig werden." Steuerhinterziehung gehöre quasi zum "Geschäftsmodell" der Banken.
Aber auch wenn deutsche Volksvertreter das Bankgeheimnis vielleicht nicht knacken werden, drohen ihm noch andere Gefahren. Denn dass einmal ein Bankeninsider die Kundendaten weiterverkauft wie bei der LGT geschehen, ist nach Ansicht von Professor Geiger bei den Eidgenossen eigentlich längst überfällig. "Das Schweizer Bankgeheimnis ist ein Schnäppchen", sagte der Professor. Im Falle einer Verletzung drohten höchsten ein halbes Jahr Gefängnis und 50 000 Franken Strafe. "Wenn ich für einen Geheimnisverrat aber beispielsweise acht Millionen Franken bezahlt kriege, ist das trotz Strafe immer noch ein sehr gutes Geschäft."
Und dass Deutschland nach den rund 4,2 Millionen Euro für den LGT-Überläufer für weitere vertrauliche Kontodetails seiner Staatsbürger noch mehr Geld auf der hohen Kante hat, lässt Steinbrück durchblicken: "Die Bundesrepublik Deutschland hat ein massives Interesse daran, solche Daten entgegenzunehmen."
