Man erwäge auch die Abwanderung aus Deutschland, heißt es bei Ceros. "Wir prüfen, Teile nach Österreich zu verlagern, dort haften Unternehmen nur mit bis zu zehn Prozent des Eigenkapitals", so Ross. Auch der Verband der Auslandsbanken (VAB) verweist auf einen drohenden Firmenexodus. "Es geht hier um den Finanzplatz Deutschland", sagt Geschäftsführer Jens Tolckmitt. Nicht nur im VAB wird der Ruf nach Reformen lauter: Angedacht ist vor allem die Zusammenlegung aller Entschädigungseinrichtungen zu einer einzigen. "Der Fall Phoenix zeigt, dass die bisherigen Regeln antiquiert sind. Es ist mehr als verständlich, wenn Unternehmen nicht für Betrüger geradestehen wollen. Zumal die Kontrollen versagt haben", sagt FDP-Finanzexperte Frank Schäffler, der sich mit dem Fall befasst. "Das Entschädigungssystem, vor allem die EdW, ist nicht verfassungskonform und mit dem Europarecht nicht in Einklang zu bringen", sagt auch Michael Sterzenbach, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Wertpapierfirmen an den deutschen Börsen (BWF).
Der Fall Phoenix
Die Fakten: Rund 30 000 Anleger hatten dem Optionshändler mehr als 600 Mill. Euro zu Spekulationszwecken anvertraut. Doch statt der versprochenen zweistelligen Rendite produzierte Phoenix Verluste. Chefhändler Michael Milde erfand daraufhin einfach Handelsgeschäfte. Provisionen und laufende Kosten zahlte er aus den Einzahlungen der Sparer. Nach einem tödlichen Flugzeugabsturz von Firmengründer Dieter Breitkreuz flog das Schneeballsystem auf. Im Juni wurde Ex-Chefhändler Michael Milde wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Die EdW: Insgesamt 16 Mal musste die 1998 gegründete Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen zahlen, insgesamt 13 Mill. Euro. Doch bei Phoenix wird der Schaden auf rund 180 Mill. Euro geschätzt, in der Kasse der EdW sind aber nur fünf Mill. Euro.
