Deutsche Manager bewundern starke Frauen: Jeder Sechste nennt seine Großmutter als Vorbild für seine Lebens- und Karriereplanung. Doch bei Frauen, die beruflich voran kommen wollen, hält sich die Verehrung in Grenzen: Dass viele von ihnen Karriere und Familie gleichzeitig stemmen, legen die Chefs sogar als Schwäche aus.
Zähne zusammenbeißen und die eigenen Bedürfnisse zurückstellen - das schätzen Manager an Frauen. Foto: dpa
Ein Phänomen, das international einzigartig ist, wie eine Umfrage der Unternehmensberatung Accenture unter 2 200 Managerinnen und Managern aus 13 Ländern jetzt zeigt. In keinem anderen Land erklären so viele Männer ihre Omas zur persönlichen Leitfigur, an deren Werte und Moralvorstellungen sie sich heute orientieren. Die befragten Manager sind im Schnitt 42 Jahre alt und führen 48 Mitarbeiter.
Doch was bedeutet es, wenn die männliche Führungselite der jüngsten Generation in Deutschland ausgerechnet den Trümmerfrauen ein verspätetes Denkmal setzt, deren Lebensleistung sie selbst gar nicht miterlebt hat? Der Grund dürfte sein: Bei deutschen Managern stehen Frauen hoch im Kurs, die die Zähne zusammenbeißen können, die tatkräftig Haus und Hof zusammenhalten und eigene Bedürfnisse zurückstellen.
Die Umfrage zeigt jedoch den Widerspruch: Denselben Managern ist die jüngste Generation von Trümmerfrauen, die jetzt auf die Unternehmen zurollt, in den Führungsetagen gerade nicht willkommen. Also die Frauen, die jetzt hauptsächlich wegen der Demographie entdeckt werden – weil die entsprechenden Männer fehlen.
So ist denn auch fast jede dritte deutsche Managerin, die bei der Accenture-Befragung im Schnitt 39 Jahre alt ist und 28 Mitarbeiter führt – davon überzeugt, dass für Frauen allein die Tatsache, dass sie Frauen sind, Karrierekiller Nummer eins ist. Jede vierte Karrierefrau sagt, dass der Energieverlust wegen der Familie ihren Aufstieg behindert – soweit sie überhaupt Kinder hat. Und die hat nur jede zweite Akademikerin. Nur jeder achte Manager sieht das dagegen für sich auch so.
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Kein Wunder: Sind doch selbst noch die wenigen Frauen, die es in Chefetagen geschafft haben, eher als die Männer bereit, für die Familie ihre Arbeitszeit zu reduzieren. 44 Prozent der deutschen Manager, aber nur 13 Prozent der Managerinnen sagen, dass ihre Arbeitszeit nach der Familiengründung unverändert blieb. Das Perfide: Ihr Einsatz für die Familie wird noch als Argument genutzt, Frauen – so gut sie auch ausgebildet sind – als Führungskräfte zweiter Garnitur zu deklassieren. „Kolleginnen mit Familie sind immer mit der einen Gehirnhälfte bei ihren Kindern“, räsoniert der Chef einer Großkanzlei, der jedoch damit nicht in der Presse zitiert sein will. „Frauen legen mehr Wert auf ein funktionierendes Privatleben als Männer. Sie gehen abends früher heim, statt ihre Honorarumsätze zu steigern“, ist seine Begründung, warum kaum Anwältinnen den Sprung zur Partnerin schaffen. Trotz toller Examina. Sein Fazit: Frauen mögen im Studium schlauer und fleißiger sein. Im Tagesgeschäft nehmen Männer aber, die schon bis zur Halskrause mit Arbeit eingedeckt sind, auch den nächsten Merger noch an. Um weiterzukommen. Diesen letzten Biss zeigen Frauen nicht, so der Anwalt.
Zur Erinnerung: Im Prinzip waren die Trümmerfrauen der Nachkriegszeit auch nur zweite Garnitur. Sie kamen nur zum Zuge, weil keine Männer da waren, die sie hätten blockieren können. Dennoch: „45 Prozent der deutschen Frauen wünschen sich einen Job, in dem sie Karriere machen können und trotzdem flexibel genug sind, um für Mann und Kinder da sein zu können“, so Catrin Hinkel, Geschäftsführerin bei Accenture und verantwortlich für Personalentwicklung und Gleichstellung. Genügend gut ausgebildete Frauen sind also bereit, die Doppelbelastung zu tragen. „Die Bringschuld liegt jetzt vor allem bei den Männern in den Chefetagen“, sagt Sonja Bischoff, BWL-Professorin in Hamburg. Wenn aber den Frauen die Bereitschaft zu arbeiten und gleichzeitig das Familienleben aufrechtzuerhalten nur als Schwäche karriereuntüchtiger Softies ausgelegt wird, sind Familienförderprogramme der Unternehmen endgültig als Heuchelei entlarvt.
Und die Manager, die ihre Oma als Vorbild angeben, sollten überlegen, ob sie wirklich gern mit Kalibern des Typs Trümmerfrau am Verhandlungstisch säßen. Ihre Omas könnten ihnen nämlich noch erklären, dass man – wenn die Zeiten härter werden – sich Bequemlichkeiten wie das Mütterchen daheim nicht mehr leisten kann.
