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03.09.2007 
Beratungsbosse vom Niederrhein

Unter Krefeldern

von Claudia Tödtmann

Was ist ein Krefelder? Ein merkwürdiges Mischgetränk, eine Cola mit Altbier. Oder jemand, der einer der Top-Five-Unternehmensberatungen in Deutschland vorsteht. Frank Mattern zum Beispiel, von McKinsey, ist – an einem Heiligabend – in der mittelgroßen Stadt am linken Niederrhein geboren. Er ist nicht der einzige Beratungsboss, den die Seidenstadt stellt.

Telekommunikationsexperte Stefan Eikelmann will Booz Allen Hamilton unter die ersten drei bringen. Foto: BAHLupe

Telekommunikationsexperte Stefan Eikelmann will Booz Allen Hamilton unter die ersten drei bringen. Foto: BAH

Auch Stefan Eikelmann, seit kurzem Deutschlandchef von Booz Allen Hamilton, ist in Krefeld geboren. Und zwar vor 39 Jahren. Heute ist Eikelmann wieder zurück am Niederrhein, als Vater eines neun Monate alten Sohns, Lucas. Genauer gesagt in Meerbusch-Strümp. Dort wohnt er vor den Toren Düsseldorfs mit seiner Frau, der Augenärztin und Halbfranzösin Anne Lore, in einem Haus mit Garten im Spielstraßen-Gebiet. Wie man es von einer Familie erwartet. Denn obwohl sich Eikelmann „als Europäer fühlt“ und es liebt, durch die Welt zu reisen, ist der Rheinländer bodenständig und treu.

So treu wie er Booz Allen ist. Dort arbeitet er schon seit 15 Jahren. Fast sein ganzes Berufsleben hat er da verbracht, um jetzt – diese Karrieren sind heute selten – an der Spitze zu stehen. Die US-Unternehmensberatung gehört rund 300 aktiven Partnern, hat weltweit 19 000 Mitarbeiter und macht vier Milliarden Dollar Umsatz. In Deutschland steht Booz Allen Hamilton auf Platz fünf der Unternehmensberatungen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat Booz Allen 483 Mitarbeiter plus 42 Partner und bringt es auf 229 Millionen Euro Umsatz. Zu ihren Kunden gehören drei Viertel aller Dax-Konzerne. Eikelmanns erklärtes Ziel: „Ein Platz unter den Top-drei-Beratungen in Deutschland.“ Er selbst ist Experte für die Telekommunikations- und Technologiebranche und war in den vergangenen drei Jahren als Personalchef in einer Schlüsselfunktion. Dass er dabei „unheimlich verbindlich, integrativ und ein ehrlicher Kerl ist, dessen große Stärke die Kommunikation ist“ – wie ihn sein Freund Ulrich Schumann, Headhunter bei Boyden International, charakterisiert –, half ihm sicher.

Dabei wollte Eikelmann, der als Einzelkind aufgewachsen ist, eigentlich Arzt werden oder Gentechnik studieren. „Aber ich wollte dann mein Leben lieber doch nicht im Labor über dem Mikroskop verbringen“, erzählt er. Und weil er sich schon als Schüler durch den „,Economist fräste“, ging er nach seiner Bundeswehrzeit bei der Luftwaffenunterstützung in Geilenkirchen – er musste die Mittelstreckenrakete Pershing 1a schützen – zur European Business School im Rheingau. Wie zielstrebig und ehrgeizig Eikelmann ist, berichtet auch sein Studienfreund Ilan Brandstetter von der Berliner Immobiliengesellschaft: „Schon im Studium plante er, Unternehmensberater zu werden.“ Damals sei er ein „Frauentyp gewesen, charmant, ohne Fehl und Tadel“ – und mit einem Super-Humor. „Aber ebenso hart, wie Stefan arbeiten konnte, so ausgiebig haben wir auch gefeiert, wir waren viel auf der Rolle.“

Er erinnert sich noch heute, wie Eikelmann bei einer Fred-Feuerstein-Party als Cave-Man kam in Fellkleid mit einer Keule aus Pappmaché und einer Kette aus Hundeknochen um den Hals. Oder wie er auf einem formellen Sommerfest zwar im vorgeschriebenen Anzug erschien, mit Jackett und schickem Hemd – aber dessen Hose kurz geschnitten war wie eine Bermuda – und das mit einem kleinen Schlag. Doch zwei Dinge waren damals schon für Eikelmann tabu – und sind es noch: Alkohol und Zigaretten. „Mir schmeckt einfach kein Alkohol“, erzählt er. Wenn dann trinkt er nur Wein.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Durchzuhalten oder etwas anderes machen?

Für Eikelmann und seine Frau ist es „ein Muss ist, mindestens einmal im Jahr an die Côte d’Azur zu fahren. Am liebsten im Mai oder Juni, wenn es noch nicht zu heiß ist.“ Doch kennengelernt hat er seine Frau Anne Lore nicht etwa dort, sondern in Düsseldorf und über das Tennisspielen. Und Sport, Kicken mit Kollegen oder sonntags mit dem Nachbarn Tennis spielen, das ist ihm auch heute noch wichtig. Oder dass ihm noch Zeit zum Lesen bleibt. Am Wochenende, wenn er den Stapel mit Tageszeitungen von der Woche liest. Oder im Urlaub, wenn er endlich dazu kommt die – heute so angesagten – düsteren Thriller der nordischen Autoren wie die von seinem Lieblingsschriftsteller Håkan Nesser oder von Kjell Ola Dahl zu lesen. In jedem Urlaub bringt er es auf drei bis vier dieser Schmöker und schätzt am meisten die Personenbeschreibungen. Das passt, betont er doch, dass auch die „Beratung ein People’s Business ist“.

Mit Menschen kann ein Rheinländer, der fröhlich ist wie er, eben gut. Und genießen: Die ersten Jahre im Job, besonders seine Zeit in Argentinien, genoss er sehr. Denn nach knapp eineinhalb Jahren als Berufsanfänger und seiner ersten Ära bei Booz Allen begann sein Intermezzo bei Reko International, dem Handelsunternehmen für Maschinenindustrieanlagen. Zwei Jahre lang baute er in Buenos Aires eine Niederlassung für Reko auf. Dazu war er gekommen, weil er schon im Studium Spanisch gelernt und ein halbes Jahr ein Praktikum in Argentinien absolviert hatte: „Ich kam mit zwei Koffern am Flughafen an. In einem waren meine Privatsachen und im anderen mein Büro“, erinnert er sich grinsend. Er fing bei null an. Doch dann brach das Geschäft 1993 zusammen, als Mexiko zahlungsunfähig wurde. „Ich stand vor der Wahl: durchzuhalten oder etwas anderes zu machen. Für immer Expat zu bleiben oder zurückzugehen“, erzählt Eikelmann.

Doch dann holte ihn Helmut Meier, Partner bei Booz Allen, zurück. Um dann, an Eikelmanns erstem Tag – es war der 16. September 1992 – im Auto nach Bonn zu fahren und auf der Fahrt festzustellen: „Wir beide hatten dieselbe Schule besucht und denselben Lateinlehrer gehabt.“ In Krefeld, natürlich. Meier wurde sein Mentor und sagt heute: „Ich bin stolz auf ihn.“ Die nächsten 13 Jahre war Eikelmann in Spanien und Portugal, um zurückzukommen nach Düsseldorf, ins Booz-Allen-Büro im Hafen. Und nach Meerbusch – nahe Krefeld. Dorthin, wo der dritte Chef einer der Top-Five-Beratungen, Christian Veith von Boston Consulting Group, geboren ist: keine 20 Kilometer von Krefeld entfernt, in Meerbusch.

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