"Manager sollten Rückgrat beweisen und auch mal vermeintlich risikoreiche Entscheidungen treffen, die sich gegen den durch Kostensenkung induzierten Schlankheitswahn richten", fordert Wildemann. Vor allem das mittlere Management sei in den vergangenen Jahren so stark ausgedünnt worden, dass dort heute Kapazitäten fehlen und die verbliebenen Manager sich überlastet fühlen.
Von diesem Trend profitieren ganz besonders die Unternehmensberater, wie zuletzt eine Untersuchung des Handelsblatts und der European Business School zeigte: Berater werden für Projekte engagiert, die eigentlich zum Kerngeschäft des firmeneigenen Managements gehören.
Die Programme zur Kostensenkung werden oft mit dem Begriff "lean" versehen - die WestLB etwa verspricht, mit dem Abbau von bis zu 1 500 Stellen zur "lean bank" zu werden. Was schön klingt, geht aber am Grundgedanken des Lean Managements vorbei: Das Wort wird noch immer falsch mit "schlank" übersetzt.
"Es geht darum, alle Prozesse im Unternehmen auf den Kundennutzen auszurichten und mit keiner Verschwendung zu arbeiten", erläutert Bodo Wiegand, Leiter des Lean Management Instituts in Aachen. Das bedeutet nicht notwendigerweise Stellenabbau. Toyota
etwa beschäftigt in der Produktion viel mehr Mitarbeiter für die Instandsetzung als auf den ersten Blick nötig. Dieses "Fettpölsterchen" sichert aber den Fluss in der Herstellung auch bei unerwartet auftretenden größeren Problemen.
