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26.02.2008 
Business-Wissen

Unterschätzte Risiken in Schwellenländern

von Bert Fröndhoff

Korruption, schlechte Zahlunsgmoral, schwache Rechtssysteme und kulturelle Differenzen: Eine Studie des Kreditversicherers Atradius zeigt, welche Probleme europäische Unternehmen beim Geschäftemachen in Schwellenländern spüren.

DÜSSELDORF. Die deutschen Unternehmen drängen immer stärker auf ausländische Märkte, vor allem nach Asien, Russland und Lateinamerika. Nicht selten aber werden sie dort enttäuscht: kulturelle Differenzen, komplizierte Rechtssysteme oder das unsichere politische Umfeld sind Gründe dafür, dass sich das Geschäft nicht so schnell und gut wie erhofft entwickelt. Viele Unternehmen unterschätzen die Risiken, die mit der Expansion in Schwellenländer einhergehen. Zu diesem Schluss kommt der internationale Kreditversicherer Atradius in einer aktuellen Umfrage bei europäischen Unternehmen, die dem Handelsblatt vorab vorliegt.

Atradius holte bei 627 im internationalen Geschäft erfahrenen Firmen Einschätzungen über die Risiken in ausgewählten Ländern ein. Dann verglichen die Experten des Versicherungskonzerns die Ergebnisse mit denen einer etwa gleich großen Gruppe von Firmen, die noch keine Erfahrungen in Schwellenländern hatten.

Das Ergebnis des Vergleichs lässt sich gut am Beispiel Russlands illustrieren. Unternehmen, die noch nicht in dem Land tätig sind, fürchten dort am ehesten Korruption und politischen Einfluss. Aus Sicht der erfahrenen Firmen sind dies zwar Risiken. Für sie wird aber neben der Korruption ein anderes Problem besonders kritisch gesehen: die unzureichenden Informationen über die Bonität russischer Kunden. Dies unterschätzten unerfahrene Firmen stark.

Das Risiko, an falsche Partner zu geraten, wurde im Vergleich aller Schwellenländer in Russland am höchsten eingestuft. In China sehen sich die Unternehmen dagegen am ehesten von dem schwachen und langsamen Rechtssystem gebremst, zeigt die Studie. Ähnlich wie in Russland fürchten sie zudem mögliche politische Interventionen. Auch diese beiden Risiken wurden von den nicht im Land tätigen Firmen deutlich niedriger angesehen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wo die Kulturunterschiede am größten sind

Darüber hinaus zeigt die Umfrage, dass viele europäische Unternehmen glauben, mit Indern beim Geschäftemachen kulturell besser klarzukommen als mit Chinesen. Doch in der Praxis merken viele schnell, dass die kulturellen Differenzen mit den Indern ebenso groß sind.

In Brasilien ergibt sich dagegen ein anderes Bild: Wenige Firmen, die im Land tätig sind, nannten kulturelle Unterschiede als Risiko beim Geschäftemachen. Allerdings gaben sie den Brasilianern im internationalen Vergleich schlechte Noten bei der Zahlungsmoral – nur Russland schnitt in diesem Punkt noch schlechter ab. Zudem fürchten europäische Firmen in dem lateinamerikanischen Land – anders als in Asien – Unruhen im Arbeitsumfeld und Streiks.

Über fast alle Kategorien hinweg stuften die international erfahrenen Unternehmen die Risiken in Indien vergleichsweise am geringsten ein. Korruption nannten beispielsweise nur 17 Prozent als mögliches Problem, für Russland gaben dies dagegen 33 Prozent an. In Russland scheint das wirtschaftliche Umfeld für die Befragten ohnehin am schwierigsten zu sein. Im Vergleich der vier Länder sehen sich Gläubiger dort am schlechtesten durch das Gesetz geschützt. Allein bei der Geschäftskultur scheinen die Differenzen mit Russland nicht ganz so groß zu sein wie mit den asiatischen Ländern.

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