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17.07.2007 
Studie

US-Unternehmen managen am besten

von Bert Fröndhoff

Globalisierung wirkt sich nicht nur positiv auf den Absatz aus, sondern auch auf das Management: Während Unternehmen aus den USA qualitativ am besten geführt werden, schließen nicht nur allmählich andere Länder auf, es zeigt sich auch, dass die Führungskräfte von auf dem Weltmarkt aktiven Firmen offenbar an ihren Aufgaben wachsen.

US-Unternehmen vorn - Qualität des Managements im internationalen Vergleich. Grafik: HandelsblattLupe

US-Unternehmen vorn - Qualität des Managements im internationalen Vergleich. Grafik: Handelsblatt

DÜSSELDORF. US-amerikanische Firmen werden im weltweiten Vergleich noch immer am professionellsten gemanagt. Doch die Top-Konzerne in Boomregionen wie Indien haben die Qualität ihrer Führung deutlich verbessert. Dies zeigt eine neue weltweite Studie, die mehrere renommierte Universitäten gemeinsam mit der Unternehmensberatung McKinsey erstellt haben.

Ihr Kern lautet: Ganz unabhängig von der Branche schneiden Unternehmen in Sachen Managementqualität und Ergebnissen immer dann gut ab, wenn sie sich auf dem Weltmarkt bewegen, harter Konkurrenz ausgesetzt sind und stark in die Aus- und Weiterbildung ihrer Manager und Belegschaften investieren.

Rund 4 000 Unternehmen haben sich Forscher des Centre for Economic Performance der London School of Economics (LSE) und der amerikanischen Stanford University näher angeschaut. Sie befragten Führungskräfte aus den Firmen und klopften die Managementsysteme darauf ab, ob sie modernen und von Forschung und Beratung empfohlenen Standards entsprechen. Dabei ging es darum, wie gut die Firmen ihre Fertigung im Griff haben, wie gut sie die Leistung steuern und kontrollieren und ob sie ihre Talente systematisch fördern. Dem stellten die Forscher Profitabilität und Wachstum der jeweiligen Firma gegenüber.

Schon dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang: Gut verdienende und schnell wachsende Firmen erreichen in allen drei Kategorien die meisten Punkte. Und sie sind vor allem in den USA zu finden: Die Amerikaner erreichten den Spitzenplatz, dort werden nicht nur ein paar Top-Konzerne gut geführt, sondern die Masse der Unternehmen, heißt es in der Untersuchung.

Anders ist dies in den aufstrebenden Regionen der Welt: „Die typische indische Durchschnittsfirma wird schlecht gemanagt“, beobachtet Nick Bloom, Professor an der Stanford University. Deswegen liegt das Land in Sachen Managementqualität noch unter dem Schnitt in etablierten Wirtschaftsnationen. Allerdings: Nimmt man nur das obere Drittel der indischen Firmen, so erreichen sie einen besseren Punktschnitt als alle britischen Firmen, ergänzt Bloom.

Deutsche Unternehmen landen in der Gesamtwertung auf dem vierten Platz, mit minimalem Abstand zu schwedischen und japanischen. Aus Sicht der Forscher überzeugen die Deutschen vor allem dadurch, dass sie Prozesse beherrschen und die Fertigung vorbildlich organisieren. Hingegen haben sie im Personalmanagement und bei der Förderung von Talenten gegenüber US-Konkurrenten Nachholbedarf – denn das ist die Stärke von Firmen aus dem angloamerikanischen Raum.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Globalisierung professionalisiert

Dieses Ergebnis zeigt sich auch in anderen Untersuchungen: Deutsche Manager gelten im internationalen Vergleich als sehr prozess- und aufgabenorientiert, nach dem Schema: Ziele aufstellen, Anreize geben, kontrollieren. Dieser Aufgabenorientierung stehe man in Deutschland aufgeschlossener gegenüber, beobachtet Felix Brodbeck von der Aston Business School in Birmingham, der an der internationalen „Globe“-Studie über Management beteiligt ist und demnächst an der LMU München lehren wird. Defizite gebe es bei der Fähigkeit, Mitarbeiter zu motivieren und bei sozialer Kompetenz.

Die Untersuchung der LSE und der Stanford University zeigt deutlich: Globalisierung professionalisiert und verbessert das Management in Unternehmen aller Länder. In Indien etwa zeigen sich krasse Unterschiede zwischen den international tätigen Konzernen und den auf den Heimatmarkt konzentrierten Firmen. In Deutschland ist der Unterschied geringer, doch auch hier fanden die Forscher moderne Managementtools verstärkt bei den international tätigen Unternehmen.

Zweiter Treiber für gutes Management ist der Wettbewerb – je größer der in einer Branche ist, desto bessere Werte erzielten die dort tätigen Unternehmen. Zu guter Letzt erkannten die Forscher deutliche Unterschiede, wenn man die 4 000 Firmen nach dem Typus Besitzer sortiert. Am professionellsten wirtschaften und managen danach Unternehmen in Hand von Finanzinvestoren, am schlechtesten schnitten Staatsunternehmen ab. Ebenfalls einen schwachen Wert erzielten Familienunternehmen, die die Führung in die Hand des ältesten Sohnes legen.

Die Wissenschaftler von der LSE und der StanfordUniversity zeigen sich überrascht, dass weltweit noch sehr viele Firmen aus ihrer Sicht schlecht gemanagt werden und vergleichsweise schwache Ergebnisse erzielen, selbst in Europa und den USA. Schuld daran sei mitunter die eigene Wahrnehmung der Führungskräfte, sagt LSE-Professor John van Reenen. Die wurden in der Untersuchung gefragt, wie sie Leistung und Qualität ihrer Firma einschätzen. Einhellige Antwort: „Wir liegen deutlich über dem Durchschnitt.“

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