Produkte sind kopierbar, gute Unternehmenskultur hingegen nicht so schnell. Eine einzigartige Organisation und Bündelpakete aus Produkten und Services sind die Kernelemente moderner Unternehmensstrategien - das behauptet BWL-Professor Horst Wildemann in seinem neuen Buch.
Alleinstellungsmerkmal, so lautet das Zauberwort für Unternehmen. Die Abgrenzung von der Konkurrenz wird noch wichtiger, seit der Wettbewerb global rasant wächst und selbst kompliziertere Produkte in Asien kopiert werden. An dieser zentralen Herausforderung setzt das neue Buch des Münchener Managementexperten Horst Wildemann an.
Strategische Ratgeber kommen jeden Monat auf den Markt – ob sie von Qualität zeugen, hängt stark von Erfahrung und Reputation des Autors ab. Wildemann hat einiges vorzuweisen: Er unterrichtet und forscht seit 1988 als BWL-Professor an der Technischen Universität München, er unterhält ein beeindruckendes Netz von Kontakten in Wissenschaft und Unternehmen und gehört seit langem zu den renommiertesten Experten für Produktionswirtschaft in Deutschland.
Sein gesammeltes Management-Wissen hat er nun im Buch „Strategische Führung in Unternehmen – Auf dem Weg zur Spitzenleistung“ zusammengefasst (erschienen im Verlag seiner hauseigenen Beratungsagentur TCW).
Wildemann rät zu zwei zentralen Ansätzen: Grundsätzlich für den Erfolg ist eine konsequente Planung und Kontrolle von Strategien. Andiesem Faktor mangelt es tatsächlich in vielen Firmen, die zwar über eine fest formulierte Strategie verfügen, sich aber nicht ausreichend deren Umsetzung widmen. Die Ausrichtung der Organisation aber sei entscheidend: „Der Vorsprung in der Organisation und in der Kultur eines Unternehmens ist für die Konkurrenz sehr viel schwerer zu kopieren als ein Produkt oder ein Verfahren, das am Markt gehandelt wird“, schreibt Wildemann.
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Das führt direkt zu seinem zweiten zentralen Ansatz in dem Strategiebuch: Weil die Kernprodukte vor allem in gesättigten Märkten immer ähnlicher werden, sind zusätzliche Dienstleistungen gefragter denn je. Manche Unternehmen im High-Tech-Sektor und Maschinenbau verdienen zunehmend und vor allem konstanter mit den verbundenen Services, statt nur das reine Produkt zu verkaufen. Ein solches Leistungsbündel aus Produkt und Service bietet aus Sicht Wildemanns nicht nur Wachstumschancen, sondern ermöglicht auch eine stärkere Kundenbindung – es ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal für Unternehmen im internationalen Wettbewerb.
Grundlage für diese Strategie sei Führung: Scheinbar lückenlos legt Wildemann dar, wie eine Organisation, die alle ihre Mitarbeiter ernst nimmt und an der Problemlösung beteiligt, große Wettbewerbsvorteile entwickelt. Wildemann nennt beispielhaft seine „Genesis-Methode“, eine Art Crash-Kurs für schnelle Prozessoptimierung.
Quellen dieser Strategien finden sich vor allem in Japan: Wildemann ist bis heute ein großer Fan des Toyota-Prozesses und schreibt von Taguchi-Methode oder Poka-Yoke-Prinzipien. Fremde Autoren nennt er im Anmerkungsapparat des Buchs keine. Stattdessen bietet er 70-mal sich selbst. Aber vielleicht ist das ja auch alles, was man braucht.
