Dieser Ruf nach Demokratisierung löst in London auch Bedenken aus. Für Max Dietrich Kley, dem einzigen Deutschen unter den IASC-Treuhändern, ist die Unabhängigkeit der Gremien von großer Bedeutung. Kritik gibt es zudem an der Transparenz der Entscheidungsfindung, Finanzierung oder auch Auswahl der Mitglieder. "Ein wenig mehr Transparenz würde dem IASC gut tun", sagt Böcking.
Die IFRS-Organisation hat nach Angaben Kleys auf anhaltende Kritik reagiert. Stellen bei IASC und IASB würden künftig öffentlich ausgeschrieben und ein neues Procedure Committee sorge für mehr Transparenz in Verfahrensfragen.
Unklar ist dagegen weiterhin, warum ausgerechnet im wichtigsten Gremium, dem IASB, zur Zeit kein Deutscher vertreten ist. Hans Bruns-Georg (Ex-Chrysler)-Daimler schied im vergangenen Sommer aus, ein neuer deutscher Kandidat ist nominiert aber aus "technischen" Gründen noch nicht bestellt. Weil aber kein Land ein satzungsmäßiges Recht hätte, in den Gremien der IFRS-Organisation vertreten zu sein, besteht die Gefahr, dass diese Option verspielt wird.
Bleibt noch ein scheinbar banales Problem: Die Finanzierung der Londoner Standardsetter. Vom geplanten Gesamtetat für 2008 über 22,4 Mill. Euro entfallen auf Deutschland 1,32 Millionen Euro. Früher waren es nur 14 große deutsche Konzerne, die finanzierten. Treuhänder Kley hat die Basis auf rund 110 Firmen und Institutionen verbreitert. Die haben ihren Finanzierungsbeitrag auf fünf Jahre zugesagt. Doch am liebsten hätte Kley eine Listingfee. Eine solche gesetzlich festgelegte Gebühr für die Arbeit des IASB haben die Niederlande gerade eingeführt, in Großbritannien zahlen die Firmen freiwillig. Doch das wird eine Aufgabe für den Nachfolger Kleys. Dessen Amtszeit läuft 2008 aus.
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