Max Dietrich Kley ist Berufsaufsichtsrat und Treuhänder der IASC
Handelsblatt: Herr Kley, wie stehen die Chancen auf einen weltweit einheitlichen Bilanzierungsstandard?
Max Dietrich Kley: Ich bin optimistisch. Eine globale Wirtschaft braucht globale Standards in der Rechnungslegung. Dieses Jahr haben sich unter anderem Indien, Korea, Kanada, Brasilien entschlossen, IFRS in Zukunft anzuerkennen. Und mit Japan haben wir einen Konvergenz-Prozess, der bis 2011 abgeschlossen sein soll.
Deshalb freunden sich die Amerikaner auch mit dem Gedanken an, die International Financial Reporting Standards (IFRS) für US-Firmen zu akzeptieren?
Die Amerikaner prüfen das zumindest und das allein ist schon ein wichtiger Schritt. Eine solche Entscheidung hätte natürlich wichtige Implikationen in den USA. Die USA würden eine zentrale Kompetenz in der Gesetzgebung aufgeben falls IFRS zum Weltstandard für die Bilanzierung würde. Daher ist dies wahrscheinlich keine Entscheidung, die von heute auf morgen gefällt werden wird.
Dabei sind die IFRS doch inzwischen schon sehr stark amerikanisiert?
Interessanterweise gibt es aus den USA manchmal den umgekehrten Vorwurf - dass die IFRS zu stark europäisiert seien. Fakt ist, dass sich beide Seiten dazu bekannt haben, langfristig global einheitliche Bilanzierungsstandards zu erreichen. Ein Erfolg dieser Zusammenarbeit ist es, dass die Börsenaufsicht in den USA künftig ausländische Unternehmen mit IFRS-Abschlüssen an US-Börsen akzeptiert.
Weiteres Entgegenkommen ist also programmiert, um die Amerikaner milde zu stimmen?
Grundsätzlich ist ein Konvergenz-Prozess sicher ein Geben und Nehmen von allen Seiten. Und wir sind mit den Amerikanern einig, immer nach der international besten Lösung zu suchen. Für IFRS spricht, dass es auf Prinzipien basierende Standards sind. In der Praxis ist es auch gar nicht möglich, Einzelfallregeln aus mehr als 100 Ländern zu berücksichtigen.
Besteht die Gefahr am Ende diverse lokale IFRS-Varianten zu haben?
Wir müssen eine nationale Zersplitterung der IFRS-Regeln auf jeden Fall verhindern, denn sonst hätten wir ja keinen globalen Standard mehr. Das ist auch im Interesse der Länder, die IFRS angenommen haben. In Europa bilanzieren inzwischen 99 Prozent der Firmen vollständig nach IFRS. Der europäische Sonderweg - die so genannte Carve-Out Option - wird nur von sehr wenigen Unternehmen genutzt. Unser Ziel wird es sein, solche Sonderwege ganz zu vermeiden.
Die Fragen stellte Dieter Fockenbrock.
