Sie fordern also eine Erhöhung der Gebühren um acht Prozent?
Nein, acht Prozent reichen nicht. Das wäre ja nur der Prozentsatz, um das Niveau von 2004 zu erreichen. Wir brauchen aber Gebühren, mit denen wir den Mandanten einigermaßen professionell vertreten können. Das können wir in vielen Fällen bei diesen Gebührensätzen doch gar nicht mehr. Die Anwaltschaft hat in den letzten Jahren mit Rationalisierung viel auffangen können. Die Talsohle ist für viele Anwälte aber jetzt erreicht. Vor allem bei den unteren Streitwerten muss etwas getan werden.
Wie viel fordern Sie denn jetzt?
Die Anwaltschaft ist keine Gewerkschaft, die jetzt in Tarifverhandlungen eintritt. Wir sind eben keine Lokomotivführer, die in Streik treten können, um Druck auszuüben.
Aber?
Wir wollen auf dem Anwaltstag Bundesjustizministerin Brigitte Zypries eine lineare Gebührenerhöhung vorschlagen, die mindestens das erreicht, was wir in den vergangenen 14 Jahren verloren haben. Vor allem in Bereichen wie dem Sozial- oder Asylrecht soll es aber noch einen erheblichen Aufschlag geben. Die Schwächsten fallen sonst bei den niedrigen Gebühren hinten runter. Das muss der Gesetzgeber einsehen. Wir halten eine durchschnittliche Anhebung um 15 Prozent für eine maßvolle Anpassung an die wirtschaftliche Entwicklung.
Kommen bei den höheren Gebühren nicht automatisch weniger Mandanten, da etliche sich die Beratung nicht mehr leisten können?
Wir müssen mit Leistung überzeugen. Für die Mandanten lohnt sich das. Wenn ich weiß, mein Anwalt leistet Maßarbeit, dann bin auch bereit, für die Leistung zu zahlen.
Die Gefahr, dass der Anwalt Maßanzugsgebühren nimmt und Stangenkonfektion abliefert, sehen Sie nicht?
Die Gefahr besteht in allen Berufen. Das spricht sich sehr schnell herum, wer abkassiert und keine Leistung bringt. Das regelt der Markt. Man sollte auch nicht vergessen, dass die Anwälte in den letzten Jahren immer mehr Geld und Zeit in Qualifizierung stecken. Immer mehr Anwälte bemühen sich um Fachanwaltsbezeichnungen.
Sie bekommen bald Konkurrenz durch nichtanwaltliche Berufe wie Architekten, die auch Rechtsberatung vornehmen dürfen. Ist die Anwaltschaft für den Wettbewerb gerüstet?
Die Anwaltschaft steht seit bestimmt 20 Jahren in einem umkämpften Markt. Wir müssen mit Qualität überzeugen. Wenn wir diese Qualität beim Mandanten abliefern, sehe ich für die Anwälte nicht schwarz. Nur Anwälte können, was Anwälte können.
Wie kann man Qualität bei den explodierenden Anwaltszahlen gewährleisten? Wird da nicht um jeden Preis prozessiert?
Wir haben zu viele Anwälte, keine Frage. Die Zuwachszahlen sind viel zu groß. Als ich 1972 anfing, gab es 28 000 Anwälte. Jetzt sind es bald 150 000. Wir fordern deshalb seit Jahren eine Reform der Juristenausbildung. Wenn man die Juristen mit zweitem Staatsexamen wirklich zum Anwalt ausbilden würde, hätten wir viel weniger Probleme. Wenn ich mir das Gros der Anwälte anschaue, mache ich mir aber um die Qualität keine Sorge.
