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21.04.2008 
Telekom-Prozess

Zu tief gehängt

von Jörg Hackhausen und Christian Panster

Ein genervter Telekom-Anwalt, ein Kläger, dem die Fragen ausgehen und ein Zeuge, der so gar nichts zur Aufklärung beitragen kann. Der Mammut-Prozess gegen die Deutsche Telekom kommt am fünften Verhandlungstag kaum voran. Die Hoffnung der 16 000 klagenden Anleger schwindet, ihre Anwälte müssen einen weiteren Rückschlag hinnehmen.

FRANKFURT. Klägeranwalt Andreas Tilp hatte versucht, die Telekom zur Herausgabe aller Unterlagen aus einem US-Verfahren zu zwingen. Doch der Vorsitzende Richter Christian Dittrich ließ durchblicken, dass er einen entsprechenden Antrag abweisen wird. Nur die Anträge auf Vorlage bestimmter Akten zu konkreten Vorgängen könnten zulässig sein, nicht aber die Preisgabe aller US-Dokumente. In den USA hatte die Telekom einen Vergleich mit klagenden Aktionären geschlossen und 120 Millionen Dollar gezahlt.

Nach Ansicht von Tilp könnten die US-Dokumente - insgesamt rund 1,9 Millionen Seiten - eine Antwort auf die strittige Frage nach dem Zeitpunkt der Voicestream-Übernahme im Sommer 2000 liefern. Die Telekom soll den geplanten Kauf des US-Mobilfunkunternehmens Voicestream im Prospekt zum dritten Börsengang im Frühjahr 2000 verschwiegen haben. Die Telekom bestreitet, dass zu diesem Zeitpunkt bereits eine Entscheidung über den milliardenschweren Kauf gefallen sei.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Fragen, die ins Leere laufen

Auch ein weiterer Zeuge, der ehemalige Telekom-Manager Tjark Schütte, half den Klägern nicht. Er konnte nichts zur Sache sagen. Schütte hatte zwar mit dem dritten Börsengang zu tun, war aber nach eigener Aussage zum fraglichen Zeitpunkt mit dem Voicestream-Deal gar nicht befasst. "Um solche Verträge zu unterzeichnen, war ich zu tief aufgehängt", sagte Schütte, der heute für die Deutsche Post arbeitet. Er sei überrascht, dass er überhaupt vorgeladen wurde.

Klägeranwalt Tilp schien selbst überrascht. Er stellte Fragen, die ins Leere liefen und von Telekom-Anwalt Bernd Schmitz-Wilhelm ein ums andere Mal gerügt wurden. Dem schloss sich auch der Vorsitzende Richter Christian Dittrich an. Er wies Fragen an Schütte ab, "weil sie außerhalb des Beweisthemas liegen". Nach nur einer Stunde durfte Schütte den Zeugenstand wieder verlassen.

Noch will Tilp nicht locker lassen: "Wir werden die Akten aus den USA bekommen." Insbesondere wolle er Akten zu einem vorläufigen Angebot an Voicestream und zur Vereinbarung einer Due Diligence aus dem Juni 2000 sehen. Außerdem will er weitere Zeugen laden lassen: den ehemaligen Voicestream-Chef John Stanton, den früheren Telekom-Manager Jeffrey Hedberg sowie Canning Fok, den Chef des damaligen Voicestream-Großaktionärs Hutchison Whampoa. Fok kennt sich mit der deutschen Justiz bereits aus. Er hat schon im Mannesmann-Prozess als Zeuge ausgesagt.

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