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11.06.2008  | Aktualisiert 24.06.2008, 16:13 Uhr 
Business-Wissen

Zu viel Alltagsarbeit

von Bert Fröndhoff

Die Rolle der Finanzabteilungen in global tätigen Unternehmen wandelt sich rasant: Aus den einstigen Buchhaltern sollen interne strategische Berater für das Management werden. Dem Anspruch werden aber noch nicht viele gerecht.

DÜSSELDORF. Wenn es um die Herausforderungen der Globalisierung geht, stehen üblicherweise zwei Unternehmensbereiche im Fokus: Produktion und Vertrieb, also der operative Kern. Doch nicht nur die Struktur dieser Funktionen verändert sich rasant - auch die so genannten administrativen Bereiche müssen der globalen Ausrichtung der Unternehmen gerecht werden. Einer der Bereiche, der am kräftigsten durchgeschüttelt wird, ist die Finanzabteilung.

Einst als Buchführungzentren verschrien, wandeln sich der Chief Finance Officer und seine Truppe zu strategischen Zentren für das Unternehmen: Sie sollen die Zahlen liefern, die dem Management einen schnellen und präzisen Blick auf das verzweigte weltweite Firmennetz garantieren. "Finanzabteilungen nehmen eine Schlüsselrolle bei der Wertsteigerung und Strategieumsetzung ein", heißt es in einer Untersuchung der >Beratungs- und Dienstleistungsgesellschaft Accenture. Damit nicht genug: Risikomanagement und Compliance werden immer bedeutender, und auch dabei spielen Finanzspezialisten eine entscheidende Rolle.

So lautet der Anspruch, doch dem werden die Finanzabteilungen vieler Unternehmen mit ihrer derzeitigen Ausstattung und Ausrichtung kaum gerecht, urteilt Accenture in der Studie, in der 350 Unternehmen weltweit untersucht wurden. Das Fazit lautet: Statt in komplexen Fragen das Management gut zu beraten, werden in den Finanzabteilungen vieler Unternehmen die Ressourcen vorwiegend für Alltags- und Standardarbeiten verwendet.

Deutlichen Nachholbedarf hätte mehr als die Hälfte der untersuchten Firmen dabei, die Organisation ihrer Finanzabteilung und der dortigen Prozesse an den Zielen der gesamten Unternehmensstrategie auszurichten. Gleiches gelte für das, was als "Enterprise Performance Management" (EPM) gefasst wird und bei dem es um die Qualität des Kennzahlensystems geht, mit dem das Unternehmensgeschehen transparent gemacht wird. Nur 20 Prozent der befragten Finanz-Führungskräfte gaben an, dass EPM in ihrer Firma bereits die geforderte Hochleistung bringt.

Noch weniger sehen das interne Risikomanagement bereits den Anforderungen entsprechend bestückt: Nur acht Prozent gaben an, in ihren Firmen sei ein konzernweit integriertes und funktionierendes Risikomanagement aufgebaut worden. Dabei sei gerade das Aufdecken, Bewerten und Vermeiden von Risiken eines der künftig wichtigsten Aufgaben in einem globalen Unternehmen.

Das die Werte so niedrig liegen, dürfte nicht nur daran liegen, dass Firmen eine Strategie für ihre Finanzabteilung fehlt. Sondern auch am Mangel an Fachkräften. Nach Angaben von Personalberatern sind qualifizierte Controller gesucht wie nie, aber kaum zu bekommen. Auch an der Spitze gibt es laut Accenture eine Art Engpass: Firmen müssten Manager in die Position des CFO setzen, die die strategische Aufgabe ihrer Abteilung für die gesamte Unternehmensentwicklung begreifen und umsetzen - viele würden aber eher im Status quo verharren.

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