Bernd Michael, der Chef der Düsseldorfer Werbeagentur Grey, hatte seinen ehemaligen Texter, Frank Dopheide nie aus den Augen verloren. Sieben Jahre lang. Vor einem halben Jahr holte er ihn dann zurück an Bord – als Kreativ-Chef. Und der war selig, nicht nur über den Aufstieg, sondern auch weil er „noch so viele Kollegen von früher kennt“ – und wusste, worauf er sich einließ.
HB DÜSSELDORF. Der Fall ist gar nicht so selten, dass Ex-Mitarbeiter zu ihrer früheren Firma zurückkehren. Auch wenn sie nicht immer eine Stufe höher wieder einsteigen. Daniel Johann (Name geändert) fühlte sich auf seiner Position bei einem Chemieriesen nicht mehr wohl. Zu wenig Verantwortung. Unsicherheit wegen der bevorstehenden Umstrukturierung. Also machte er sich auf die Suche nach einem anderen Job in der Branche. Heute, nach vier Jahren, klopft er wieder bei seinem alten Arbeitgeber an. „Mein Nachfolger wird das Unternehmen verlassen, und meine alte Stelle ist interessanter geworden“, erzählt der 48-Jährige.
Der Anwendungstechniker mit Marketingerfahrung wird sich der gleichen Prozedur wie alle anderen Bewerber unterziehen müssen. Wie er seine Stärken präsentieren wird, weiß er auch schon: „Ich kenne die Technik, die Kunden, die Konkurrenz und bin schnell einsetzbar.“ Das könnte ihm helfen. Genauso wie der Umstand, dass er den Kontakt zu seinen alten Kollegen nie hat abreißen lassen. Sie gaben ihm schließlich auch den entscheidenden Tipp, noch bevor die Stelle ausgeschrieben wurde.
Manchmal bleiben auch Personaler mit verdienten Fach- und Führungskräften, die das Unternehmen verlassen haben, in Verbindung. „Wenn sich Mitarbeiter weiterentwickeln wollen, wir aber zu diesem Zeitpunkt diese Möglichkeit nicht bieten können, dann halten wir durchaus Kontakt“, berichtet Gerhard Tschentscher, Personaldirektor der Pharmafirma Pfizer. „Natürlich schicken wir niemanden gezielt zur Konkurrenz“, ergänzt er. Weil dieser Eindruck entstehen könnte, wird wohl auch nicht allzu gern über das Thema gesprochen.
Dabei kehren gerade jetzt nach den Rationalisierungswellen der vergangenen Jahre wieder vermehrt Entlassene an ihre Schreibtische zurück – besonders, wenn Topkräfte dem Rotstift zum Opfer gefallen sind. Das ist nichts Ehrenrühriges. Zumal beide Seiten davon profitieren: „Eine Rückkehr kann die Karriere befördern, wenn sich derjenige in der Zwischenzeit weiterentwickelt hat. In jedem Fall ist die Einarbeitungszeit kürzer oder entfällt ganz“, erklärt Tschentscher.
Aber auch die eher weichen Faktoren spielen eine Rolle: Gut ist zu wissen, wie das Unternehmen tickt. „Wer vorher schon bei BMW gearbeitet hat, dem fällt der Einstieg leicht, da das Unternehmen eine prägende Unternehmenskultur pflegt“, weiß Tobias Nickel, Personalexperte bei dem Autobauer.
Auch BMW versucht, „zu den richtig Guten“ Kontakt zu halten. „Wenn Mitarbeiter in einer fremden Branche Erfahrungen sammeln, können sie für uns interessant werden“, berichtet Nickel. Etwa, wenn Marketing-Manager einen Zwischenstopp in der Konsumgüterindustrie einlegen, denn: „Das Customer-Relationship-Management ist dort stärker ausgeprägt als in der Automobilindustrie“, sagt Nickel. Willkommen ist auch, wer zu einem Zulieferer abwandert und wiederkehrt: „Es ist optimal, wenn jemand die komplette Prozesskette kennt.“
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Alte Hasen rekrutiert indes niemand systematisch, lassen zumindest Personaler verlauten. „Bei uns wird die Rückkehr nicht gezielt forciert, aber es gibt natürlich Wiedereinsteiger“, erzählt Patrik Fischer, Sprecher der Deutschen Bank. Gern gesehen ist, wer im Ausland Erfahrungen gesammelt hat. Gern gesehen sind auch Mitarbeiter, die schon einige Jahre „mit guter Referenz“ (Fischer) bei der Bank gearbeitet haben und nun beim alten Arbeitgeber neue Herausforderungen suchen.
Egal, was einen treibt, egal wie groß der Nutzen für die Firma ist: Letztlich ist der Wiedereinstieg auch eine Frage des Abschieds. „Ist jemand im Unfrieden gegangen und hat das auch kundgetan oder gar die Probezeit nicht überstanden, dann verbietet sich allein schon der Gedanke an eine erneute Bewerbung“, urteilt Karriereberaterin Ute Bölke. Für Pfizer-Personaler Tschentscher ist es gleichfalls merkwürdig, wenn Bewerbungsunterlagen solcher Kandidaten auf seinem Tisch landen: „Wenn man schon einmal feststellen musste, dass die Vorstellungen des Mitarbeiters mit der Unternehmenskultur nicht harmonieren, nutzt auch eine Pause nichts, um zu schauen, ob es danach besser passt.“
Glückt der Wiedereinstieg, sollte der Rückkehrer keine ausgerollten roten Teppiche erwarten. Bei BMW zum Beispiel gibt es keine Vorzugsbehandlung. Nur im Einzelfall kommt es zu Sondervereinbarungen. Karriereberaterin Bölke hält eine verkürzte Probezeit und ein anschließend höheres Gehalt für „durchaus verhandelbar“. Bei Pfizer gibt es klare Regelungen: Die einzelnen Zeiten der Betriebszugehörigkeit werden aufaddiert. In Einzelfällen, wenn die Abwesenheit nicht so lange dauert, verzichtet Pfizer auf die Probezeit. Nur in Sachen Abfindung gibt es kein Pardon: „Wer eine Abfindung erhält und nach drei Monaten wieder zurückkommen möchte, hat keine Chance. Das ist sehr streng geregelt.“
Zu hart sollte man jedenfalls in diesen Angelegenheiten nicht verhandeln – das bringt das ganze Projekt Heimkehr in Gefahr. Wieder angekommen, kann der vermeintliche Schritt zurück ein großer Schritt nach vorne sein. Nur: Naiv wäre es, von Anfang an auf einen Karrieresprung zu bauen: „Das kann passieren, muss aber nicht“, meint BMW-Rekrutierer Nickel, „jedenfalls würde ich niemandem zu einem Weggang raten, in der Hoffnung später höher einzusteigen.“
Doch Wechsel zurück – auch in die alte Karrierestufe – können durchaus gut funktionieren. Klaus Leciejewski, Chef der gleichnamigen Personalberatung in Köln empfiehlt: „Immer wenn jemand in eine flache Hierarchie zurückkehrt und ein eigenes unabhängiges Arbeitsgebiet betreut, etwa bei einer Beratungsgesellschaft, dann ist es kein Problem.“ Wer aus privaten, vielleicht sogar diffizilen, Gründen zurückkehrt – und wenn es eine Scheidung ist – sollte das offen sagen. Und es wenigstens den wichtigsten Mitarbeitern erklären, um Gerüchten vorzubeugen.
Leciejewski beobachtet solche Rückkehrer etwa im Kraftwerksbereich und bei den Spezialisten. „Da gibt es Leute, die mit etwas höherem Gehalt wiedergeholt werden, weil sie Know-how haben, das nicht ohne weiteres ersetzbar war. Aber die sind eher die Ausnahme. Leciejewski kritisiert: „Die meisten Unternehmen haben die falsche Haltung und lassen wichtige Leute wegen ein paar tausend Euro ziehen – statt die Konsequenzen zu bedenken.“
