Alte Hasen rekrutiert indes niemand systematisch, lassen zumindest Personaler verlauten. „Bei uns wird die Rückkehr nicht gezielt forciert, aber es gibt natürlich Wiedereinsteiger“, erzählt Patrik Fischer, Sprecher der Deutschen Bank. Gern gesehen ist, wer im Ausland Erfahrungen gesammelt hat. Gern gesehen sind auch Mitarbeiter, die schon einige Jahre „mit guter Referenz“ (Fischer) bei der Bank gearbeitet haben und nun beim alten Arbeitgeber neue Herausforderungen suchen.
Egal, was einen treibt, egal wie groß der Nutzen für die Firma ist: Letztlich ist der Wiedereinstieg auch eine Frage des Abschieds. „Ist jemand im Unfrieden gegangen und hat das auch kundgetan oder gar die Probezeit nicht überstanden, dann verbietet sich allein schon der Gedanke an eine erneute Bewerbung“, urteilt Karriereberaterin Ute Bölke. Für Pfizer-Personaler Tschentscher ist es gleichfalls merkwürdig, wenn Bewerbungsunterlagen solcher Kandidaten auf seinem Tisch landen: „Wenn man schon einmal feststellen musste, dass die Vorstellungen des Mitarbeiters mit der Unternehmenskultur nicht harmonieren, nutzt auch eine Pause nichts, um zu schauen, ob es danach besser passt.“
Glückt der Wiedereinstieg, sollte der Rückkehrer keine ausgerollten roten Teppiche erwarten. Bei BMW zum Beispiel gibt es keine Vorzugsbehandlung. Nur im Einzelfall kommt es zu Sondervereinbarungen. Karriereberaterin Bölke hält eine verkürzte Probezeit und ein anschließend höheres Gehalt für „durchaus verhandelbar“. Bei Pfizer gibt es klare Regelungen: Die einzelnen Zeiten der Betriebszugehörigkeit werden aufaddiert. In Einzelfällen, wenn die Abwesenheit nicht so lange dauert, verzichtet Pfizer auf die Probezeit. Nur in Sachen Abfindung gibt es kein Pardon: „Wer eine Abfindung erhält und nach drei Monaten wieder zurückkommen möchte, hat keine Chance. Das ist sehr streng geregelt.“
Zu hart sollte man jedenfalls in diesen Angelegenheiten nicht verhandeln – das bringt das ganze Projekt Heimkehr in Gefahr. Wieder angekommen, kann der vermeintliche Schritt zurück ein großer Schritt nach vorne sein. Nur: Naiv wäre es, von Anfang an auf einen Karrieresprung zu bauen: „Das kann passieren, muss aber nicht“, meint BMW-Rekrutierer Nickel, „jedenfalls würde ich niemandem zu einem Weggang raten, in der Hoffnung später höher einzusteigen.“
Doch Wechsel zurück – auch in die alte Karrierestufe – können durchaus gut funktionieren. Klaus Leciejewski, Chef der gleichnamigen Personalberatung in Köln empfiehlt: „Immer wenn jemand in eine flache Hierarchie zurückkehrt und ein eigenes unabhängiges Arbeitsgebiet betreut, etwa bei einer Beratungsgesellschaft, dann ist es kein Problem.“ Wer aus privaten, vielleicht sogar diffizilen, Gründen zurückkehrt – und wenn es eine Scheidung ist – sollte das offen sagen. Und es wenigstens den wichtigsten Mitarbeitern erklären, um Gerüchten vorzubeugen.
Leciejewski beobachtet solche Rückkehrer etwa im Kraftwerksbereich und bei den Spezialisten. „Da gibt es Leute, die mit etwas höherem Gehalt wiedergeholt werden, weil sie Know-how haben, das nicht ohne weiteres ersetzbar war. Aber die sind eher die Ausnahme. Leciejewski kritisiert: „Die meisten Unternehmen haben die falsche Haltung und lassen wichtige Leute wegen ein paar tausend Euro ziehen – statt die Konsequenzen zu bedenken.“
