Teldafax-Insolvenz

Handelsblatt-Artikel bringt Millionen für Teldafax-Gläubiger

750.000 ehemalige Teldafax-Kunden dürfen hoffen. Der Insolvenzverwalter hat durch diverse Klagen schon fast 250 Millionen Euro für sie gesichert. Eine seiner Waffen vor Gericht ist ein Artikel aus dem Handelsblatt.
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Allein die Titelstory vom 20. Oktober 2010 (oben rechts) „gab ausreichenden Anlass von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit auszugehen“. (Foto: HB)
Handelsblatt-Artikel über Teldafax

Allein die Titelstory vom 20. Oktober 2010 (oben rechts) „gab ausreichenden Anlass von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit auszugehen“. (Foto: HB)

DüsseldorfEs ist ein Novum in der deutschen Rechtsgeschichte. Das Landgericht Frankfurt am Main hat entschieden, dass der Netzbetreiber Syna, eine Tochter des RWE-Konzerns in Frankfurt, dem Insolvenzverwalter von Teldafax 5,7 Millionen Euro zahlen muss. Das Geld kommt denen zugute, die zu den Gläubigern von Teldafax gehören, nicht zuletzt den 750.000 ehemaligen Kunden des 2011 untergegangenen Unternehmens.

Dass sie nach der langen Leidenszeit mit dem Billigstromanbieter nun auf Besserung hoffen dürfen, hat vor allem einen Grund: den Handelsblatt-Artikel vom 20. Oktober 2010 (lesen Sie hier das Original).

Unter der Überschrift „Erhebliche kriminelle Energie“ schilderte das Handelsblatt, wie es bei Teldafax hinter den Kulissen aussah. Das Unternehmen verkaufte seinen Strom billiger als es ihn einkaufte, war völlig überschuldet und wurde von einem verurteilten Anlagebetrüger aus dem Gefängnis heraus gesteuert. Das Unternehmen glich einem riesigen Schneeballsystem, das immer mehr Schaden anrichten würde, je größer es wurde.

Und Teldafax wuchs rapide.

„Allein dieser Artikel gab ausreichenden Anlass von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit auszugehen“, urteilten die Frankfurter Richter am 31. August 2015. Und tatsächlich waren die Geschäftsführer des Netzbetreibers Syna aufmerksame Zeitungsleser. Schon vier Tage später bestanden sie bei Teldafax auf monatliche Vorauszahlung. Teldafax überwies das Geld – und genau darin sah das Gericht ein Fehlverhalten.

Syna bekam noch Geld, als zahlreiche Kunden von Teldafax schon längst vergeblich auf die Auszahlung ihrer Guthaben warteten. Nun muss Syna 5,7 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen – plus 1,2 Millionen Euro Zinsen.

Nur zwei Tage nach dem Urteil aus Frankfurt gewann Insolvenzverwalter Bähr auch einen Prozess in Sachsen-Anhalt. Das Oberlandesgericht Naumburg verurteilte die Mitteldeutsche Netzgesellschaft zur Zahlung von 4,2 Millionen Euro, plus 800.000 Euro Zinsen. Bährs nächster Streich für die Gläubiger von Teldafax gelang am 5. Oktober 2015.

In Berlin urteilte das Landgericht, der Übertragungsnetzbetreiber 50-Hertz müsse 36 Millionen an Bähr zahlen – plus 7,2 Millionen Euro Zinsen. Auch in Berlin hatte Bähr den Handelsblatt-Artikel vom 20. Oktober 2010 im Gepäck. Dieses Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

Wo der Insolvenzverwalter eine Viertelmilliarde eingetrieben hat
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  • sorry - ich wusste gar nicht, dass eine eMail-Adresse eine "Werbefläche" sein kann.....

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Leider nein, der Moderator war "schneller".

    Gruß C.Falk

  • Hallo Herr Falk,
    haben Sie gesehen was ich geschrieben hatte, bevor der Zensor "zugeschlagen" hat?

    MfG

    JB

  • Nützliche Presseartikel für die Betrogenen und Erniedrigten, muß man anerkennen.

  • Nun, unsachlich war mein Beitrag keinesfalls, er gehörte allenfalls nicht zu dem zu kommentierenden Artikel, sondern zu einem anderen ohne Kommentarfunktion. "g"

  • Das lief bei S&K übrigens prinzipiell auch nicht anders ab. Wer damals sein Gehirn VOR dem Invest eingeschaltet hat, stellte eine gähnende Leere in den Lebensläufen der handelnden Akteure fest. Keine relevante Ausbildung, keine relevante Erfahrung. Wer gibt solchen Leuten sein Geld? Ich würde hier privat auch nicht klagen, sonst würde meine - nennen wir es mal neutral - Sorglosigkeit möglicherweise sogar "amtlich" festgestellt.

  • Ich frag mich ob die Gerichte jedes Unternehmen durch einen Zeitungsartikel in den Ruin getrieben sehen wollen. Ich mein mal allg. betrachtet, wenn ich jahrelang Geschäfte mit jemanden mache und es bisher keine Probleme gab, wie verhalte ich mich da wohl wenn mir mein Geschäftspartner versichert, dass das Gerede eine Lüge ist?
    Diskreditierung kann jedes Unternehmen hinwegfegen, gibt es in der Vergangenheit tausende Beispiele für. Aber das ändert nichts am Inslovenzrecht.
    Trotzdem gut, dass sowas aufgedeckt wird. Auf sowas sollte sich das Handels-blatt mehr konzentrieren.

  • ich weiß nicht was hier "unsachlich" war......

    Es waren nur Hinweise auf eigene Inhalte beim Handelsblatt

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

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