Teldafax
Sie fragen mich nicht! Ich frage Sie!

Vor dem Landgericht Bonn läuft seit einem Jahr der Prozess gegen die Verantwortlichen der Teldafax-Affäre. Die Justiz gibt ein trauriges Bild ab. Zeugen der Anklage werden von den Beschuldigten beleidigt und beschimpft.

BonnDie Verteidigung wollte den Zeugen erst gar nicht durch die Tür lassen. Mittwochmorgen, der 50. Verhandlungstag im Teldafax-Prozess. Gut gelaunt betreten die Protagonisten der größten Insolvenz der deutschen Wirtschaftsgeschichte den Gerichtssaal, in dem sie zur Verantwortung gezogen werden sollen. Klaus Bath, der im März 2011 abrupt als Teldafax-Vorstandschef abberufen wurde, wünscht Gernot Koch ein frohes neues Jahr. Koch war auch Chef bei Teldafax – aber nur drei Wochen lang. Dann meldete er Insolvenz an.

Nun betritt auch Michael Josten den Saal. Josten war Baths Vorgänger und kennt sich in Gerichtssälen aus – er wurde im März 2007 wegen 176-fachen Betrugs zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Dann ging er aber nicht ins Gefängnis sondern vereinbarte als Teldafax-Vorstand erst eine Werbepartnerschaft mit Bayer Leverkusen, dann setzte er sich in die Schweiz ab. Bis zu seiner Inhaftierung in der Justizvollzugsanstalt Bruchsal sollten drei Jahre vergehen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Geschichte, wegen der Josten nun wieder in einem Gerichtssaal sitzt, begann im Sommer 2009. Der Billigstromanbieter, mit Josten als Aufsichtsrat und Koch und Bath im Vorstand, lag am Boden. „In der Kalenderwoche 25 wurde der Tatbestand der Zahlungsunfähigkeit festgestellt“, schrieben die Vorstände an den Aufsichtsrat. Dann meldeten sie aber nicht wie gesetzlich vorgesehen Insolvenz an, sondern machten noch zwei Jahre lang weiter. Getragen von den Vorkassen ihrer Stromkunden zahlten sich die Manager fürstliche Gehälter, bis Teldafax im Juni 2011 völlig überschuldet zusammenbrach. Koch und Bath müssen sich deshalb als Vorstände wegen Insolvenzverschleppung verantworten, Josten als Aufsichtsrat.

Vor der Tür des Gerichtssaals wartet nun der Mann, der die Einzelheiten des Absturzes von Teldafax kennt wie kaum ein anderer. Am 14. Juni 2011 wurde Biner Bähr vom Amtsgericht Bonn zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, seitdem arbeitet der Anwalt von der Kanzlei White & Case den Fall auf. Die Fragen, die im Landgericht beantwortet werden sollen, hat Bähr längst geklärt. Wann war Teldafax insolvenzreif? Was ergab sich daraus? Wer wusste davon? Bähr hat die Antworten. Mit zwei dicken Aktenordnern steht er nun vor der Tür, hinter der die Angeklagten sitzen. Aber die wollen ihn nicht reinlassen.

„Herr Vorsitzender, ich würde gern einen Antrag stellen“, sagt Daniel Wölky. Der junge Mann mit den zurückgegelten Haaren verteidigt Michael Josten. Einen Mann, dem das Landgericht Mannheim 2007 bei seiner Verurteilung eine „erhebliche kriminelle Energie“ und eine „besonders habgierige Gesinnung“ attestierte. Aber auch sein Anwalt hat Energie. „Ich beantrage, Herrn Dr. Bähr nicht als Sachverständigen zu vernehmen,“ sagt Wölky eifrig. Dann liest er seinen Antrag Seite um Seite vor. Es dauert eine Weile.

Marc Eumann, der Vorsitzende Richter, wartet geduldig, bis Wölky fertig ist. Dann sagt er „Herr Dr. Bähr ist nicht als Sachverständiger geladen, sondern als Zeuge.“ Wölky könnte nun still sein. Aber er ist es nicht. Es mag ja sein, dass der Insolvenzverwalter als Zeuge geladen sei. Er könne aber doch so wirken wie ein Sachverständiger, meint Wölky. Dann zitiert er Rechtsliteratur. Der Blick des Richters bleibt verständnislos.

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