Eine weltweite Fahrzeuginnovation? BMW stellt in der Motorshow Detroit den X6 vor. Mit dem sogenannten „Sport Activity Coupé“, einer Mischung aus Geländewagen und Coupé, will der Autobauer aus München ein neues Segment schaffen, das es leider bereits gibt.
Haben Sie, verehrte BMW-fahrende Leserinnen und Leser, sich jemals vorstellen können, einen Ssangyong zu fahren? Für die, die es nicht wissen: Ssangyong ist ein koreanischer Fahrzeugproduzent, der mit ziemlich schrägen Designkonzepten – nicht nur hierzulande – zumindest Anerkennung verdient hat. Zuletzt 2006, als er den Actyon auf den Markt brachte: eine skurrile Mischung aus Geländewagen und Coupé, die „Sport Utility Coupé“ getauft wurde.
Nun – zwei Jahre später – dürfen sich die Koreaner freuen, denn BMW gibt ihnen Rückenwind. Die Bayern nehmen die erfolgreiche Plattform der X-Reihe, bauen darauf ein fließendes Coupédach, taufen das Resultat originellerweise „Sports Activity Coupé“ und bezeichnen es als „weltweite Fahrzeuginnovation“ und „die sportlichste Ausprägung eines BMW X Modells“.
BMW X6: die auffälligsten Designelemente des Elefanten
Zugegeben, als Latecomer hat der bayerische X6 viel mehr zu bieten als der bäuerliche Ssangyong. So viel Technik, dass die Tatsache, dass das über 4,8 Meter lange und 2,1 Tonnen schwere Fahrzeug nur vier Sitzplätze anbietet, zunächst wie eine fast konsequente Selbstverständlichkeit erscheint. Denn BMWs Technologie sorgt dafür, dass sich ein solches Automobil, das im besten Fall von einem 4,4 Liter großen, 407 PS starken V8-Motor mit Twin-Turbo-Aufladung und Direkteinspritzung angetrieben wird, auf 250 Kilometer pro Stunde beschleunigen und brav auf der Straße führen lässt.
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Dazu wird dennoch nicht weniger als folgendes Zubehör benötigt: der intelligente Allradantrieb „xDrive“, eine dynamische Stabilitätskontrolle, Funktionen wie Aktivlenkung und „Adaptive Drive“, ein „Integrated Chassis Management (ICM)“, das Anti-Blockier-System (ABS), die automatische Stabilitätskontrolle (ASC) sowie die elektronische Differenzialsperre „Automatic Differential Brake“ (ADB) oder die Aktivlenkung mit Servotronic – um nur die wichtigsten Techniken zu nennen.
Wer sich jetzt genauso angetan wie hilflos fühlt, der sollte nicht gleich in Panik geraten, denn dank dem Hochgeschwindigkeits-Datenübertragungssystem FlexRay hilft im Fall der Fälle – also, wenn einige oder mehrere Systeme ausfallen – der automatische Teleservice-Call oder die manuelle Teleservice-Hilfe auf der Stelle weiter.
Was sagte Henry Ford noch? „Was es nicht gibt, kann nicht kaputtgehen.“ Wer sich über die idiotisch kleine Heckscheibe beim ersten Parkmanöver ärgert, der braucht zumindest niemanden anzurufen, denn als Ergänzung der „Park Distance Control“ wird für den BMW X6 eine Rückfahrkamera angeboten. Letztere könnte schließlich ein sinnvolles Kaufargument sein, denn der Ssangyong, so glaube ich zu wissen, bietet sie noch nicht an.
Paolo Tumminelli ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.
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