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22.11.2006 
Tumminellis Designkritik

Der Porsche-Hammer

von Paolo Tumminelli

Metabo und Porsche Design präsentieren eine Multifunktionsmaschine für den lifestyleorientierten Bastler. Objektiv gesehen, ist der P’ 7911 ein richtiger Hammer unter den Elektrowerkzeugen.

Die Multifunktionsmaschine P'7911 von Metabo und Porsche. Grafik: HandelsblattLupe

Die Multifunktionsmaschine P'7911 von Metabo und Porsche. Grafik: Handelsblatt

Das Geschäft mit Design kann wunderbar laufen. Wer dabei aber nur an schicke Accessoires – Brillen, Uhren und Lederware – denkt, der denkt zu kurz. Die größten Erfolge werden in Produktbereichen gefeiert, die von der Welle des Premium-Lifestyles nicht einmal bespritzt werden. Ein Beispiel ist die von Duravit und Starck 1994 eingeführte Sanitärkollektion: kostbare – aber genial einfache – Klos, Becken und Wannen, die das Badezimmer revolutioniert haben.

Philippe Starck ist übrigens einer der wenigen Designer, die aus dem Nichts eine Marke geschaffen haben. Bei den meisten endet der Ruhm bei der Unterschrift und dem Schwarz-Weiß-Bild auf der Produktbroschüre. Es gibt aber auch den Fall, dass eine bereits berühmte Marke mit eindeutig definierter Designkompetenz nach zusätzlichen Geschäftsfeldern in neuen Branchen sucht. Wie Pininfarina, eine italienische Firma mit großem Design-Heritage, die unter dem Label „Extra“ seit 1986 alles Mögliche designt hat und vieles als Co-Branding vermarkten lässt: von Motorbooten bis zu Küchen.

Porsche Design liegt dazwischen. Wer schon den Namen Porsche trägt und von dem man sagt, er habe bereits in jungem Alter die 911-Ikone geschaffen, der hat es einfach im Designgeschäft. Gründerenkel Ferdinand Alexander ging 1972 den eigenen Weg und baute später im österreichischen Zell am See seine Firma auf. Dabei erkannte er bald den Sexappeal des eigenen Namens. Seitdem gibt es eine Eigenproduktion unter dem Label „Porsche Design“ und Produkte für Dritthersteller, die das Label „Design by F. A. Porsche“ tragen.

2003 kam es zu einer wichtigen Umstellung: Butzis Firma kehrte nach Stuttgart zurück, um zur Tochtergesellschaft der Porsche AG zu werden. Seit 2005 wird nur noch unter dem Label Porsche Design signiert – egal, ob es sich um Eigenproduktion, Co-Branding-Projekte oder gar „Driver’s Selection“ handelt – die offizielle Lifestyle-Kollektion von Porsche.

Die Stringenz macht Sinn, die Entwicklungsmöglichkeiten für das Geschäft innerhalb des erfolgreichen Mutterkonzerns machen neugierig. Das erste Produkt fasziniert und überrascht zugleich: Es handelt sich um einen Multihammer – Neudeutsch für ein Gerät, das die Funktionen eines Hammers mit denen einer Bohrmaschine vereint.

Wer damit umgehen soll? Zielgruppe ist der lifestyleorientierte Bastler, der feinstes High-Tech-Made-in-Germany in einer Hülle aus echtem Carbon und Alu für 495 Euro zu schätzen weiß. So fein und luxuriös ist das Geschäft für den P’ 7911 fast zu klein gedacht. Ein echter Porsche unter den Profihämmern würde sicher das Herz von Tausenden Profihandwerkern höher schlagen lassen.


Paolo Tumminelli ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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