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02.07.2008 
Tumminellis Designkritik

Mein Design

von Paolo Tumminelli

Für Markenführer sind Designer ein Alptraum. Sie halten die etablierten Marken für uncool und schaffen lieber ihre eigenen. Weil ihr kreatives Potential klassischen Firmen aber zu weit geht, schließen sie sich oft in kleinen Zirkeln von Auserwählten zusammen. Bestes Beispiel: „My Document“ von 25togo.com. Oder: Wie aus einem Blog ein Unternehmen wurde.

Laptop-Tasche "My Document": Ein Ohr, dass sich vom Mainstream absetzt. Grafik: HandelsblattLupe

Laptop-Tasche "My Document": Ein Ohr, dass sich vom Mainstream absetzt. Grafik: Handelsblatt

Ob man sie Designer, Gestalter, Kreative oder gar Künstler nennt, ist kaum von Bedeutung: In einer zunehmend ästhetisierten Welt wächst auch die Zahl der Menschen, die den besonderen Status des Schöpfers genießen möchten.

Die Branche bekommt Flügel: Nicht nur wachsen die Märkte, sondern auch die Art der Produkte und das Tempo, mit der diese erneuert werden müssen. Die Kultur- & Kreativwirtschaft – so nennt sie die Bundesregierung in einer Initiative – ist in Deutschland ein großer Wirtschaftsfaktor geworden, mit 210 000 Firmen, 121 Mrd. Euro Umsatz und über einer Million Beschäftigten.

Als erste Berufsgruppe haben Designer das Inspirationspotential von Globalität zu schätzen gewusst. Studierende und junge Professionelle machen sich auf den Weg – stets auf der Suche nach Originalität. Als moderne Nomaden haben die Kreativen jenes Klischee der Young-Lifestyle-Coolness geprägt. Das Streben nach Ästhetik und Individualisierung sowie die Affinität zu neuen Technologien macht sie als Zielgruppe geradezu unwiderstehlich.

Abgesehen von einer geradezu manischen Abhängigkeit von Apple-Produkten lassen sich Designer allerdings ungern einfangen. Wählt der typische Konsument entweder Puma oder Adidas und kleidet sich dann vom Kopf bis Fuß markengerecht, so mischt der Ich-bewusste Designer gerne seine Marken und trägt dazu demonstrativ Nischen-Labels. Oder gar Unmarkiertes, denn so erreicht man die erwünschte Differenzierung am besten.

Designer sind ein Alptraum für Markenführer geworden, weil sie, nach vorne schauend, Markt-Marken für uncool halten und lieber die eigene Marke basteln. Weil ihr kreatives Potential oft die Aufnahmefähigkeit klassischer Firmen sprengt, vereinigen sich Designer oft in kleinen Zirkeln von Auserwählten, die dann Kreativität in eigener Sache vermitteln.

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