Mit dem GLK bringt Mercedes Benz im Oktober einen Baby-Geländewagen auf den Markt. Der Autobauer aus Stuttgart versucht mit seinem selbstbewussten Auftritt, den Anti-Geländewagen-Trend aufzuhalten. Was aber ist eigentlich Mercedes-artig am GLK?
Der GLK von Mercedes kann ein guter Kumpel werden; die Jurassic-Version von Knut dem Bären sozusagen. Foto: dpa
Über sportliche Geländewagen (SUV), besser gesagt gegen sie, wurde bereits alles geschrieben. Zu Unrecht. Denn ein Fahrzeug an sich ist immer unschuldig, es kommt auf die artgerechte Nutzung an. In der Tat sind SUVs eine wunderbar Erfindung. Kaum zu glauben aber, dass es einige (wenige) Menschen gegeben hat und immer noch gibt, die ein solches Fahrzeug tatsächlich benötigen.
Als um 1945 der amerikanische Jeep-Produzent Willys darüber nachdachte, wie man den Zivilisten den serienreifen Allradantrieb verkaufen und dabei Geld verdienen könnte, kam er schnell auf die Idee, die Leistung einer Limousine mit dem Raumkomfort eines Stationswagens und der Geländetauglichkeit eines Jeeps zu kombinieren.
Nach dem ersten All-Steel-Jeep von 1948 kam 1963 mit dem Wagoneer der große Wurf und der große Erfolg. Die mächtigen V8-Motoren bewegten den Koloss souverän, wenn auch nicht unbedingt sparsam, was angesichts des niedrigen Spritpreises damals kein Problem darstellte.
In Europa waren solche Fahrzeuge so gut wie unbekannt bis der Range Rover 1970 auf den Markt kam. Mit einem V8 amerikanischer Abstammung, dem permanenten Allradantrieb und seiner sportlichen Karosserie gilt er als Urtyp der SUVs – obwohl es diese marketingtechnisch damals noch nicht gab.
Dafür gab es den „Range“ und das Wort reichte aus. Der Wagen war so stilvoll, dass es die ersten britischen Besitzer sogar wagten, damit von Cotswolds, dem Herzen Englands zum Londoner Club zu fahren. Vierzig Jahre lang hat man den „Range“ begehrt und bewundert – eine neue Dimension von Automobilluxus, gar ein Lifestyle. Obwohl das Auto von der Dimension alles andere als unauffällig war, stieß es nie an die Grenze der sozialen Verträglichkeit.
Mit der M-Klasse kam dann 1997 eine Art Tsunami. Das Product Placement in Jurassic Park brachte den Durchbruch. Die SUV getaufte Gattung war eine imposante Erscheinung. Zuverlässige Elektronik ermöglichte die Kontrolle über unvorstellbare Leistung: Das größte Automobilspielzeug aller Zeiten war geboren. Und es kam schnell an: Allein vom Marktführer ML sind fast eine Million Exemplare gebaut worden. Der Rest ist Geschichte: Empörung, Verspottung – aus dem noblen „Range“ wurden „Chelsea Tractors“ – und schließlich Kapitulation.
Als Rettung des Konzeptes, wenn überhaupt möglich, kommen die kompakten SUVs. Die sind zwar absolut gesehen sozial verträglicher, doch im relativen Sinne genauso gefährlich, wenn nicht sogar gefährlicher. Kleiner, billiger und sparsamer sprechen die Kompakten eine viel größere Kundschaft an, „die Late Adaptors“. Konsequenz: Wenn Hunderttausende Oberklassefahrer sich dem großen SUV zuwenden ist die Wirkung auf die Umwelt geringer, als wenn Millionen Golf-Fahrer zum Kompakt-SUV wechseln. Wie dem neuen GLK.
„G“ steht für Gelände, „L“ für weiss-ich-nicht (leicht, Luxus, lang?), „K“ für Kompakt. Allein über das Wort Kompakt könnte man schöne Witze machen. Die Elefantisierung der Automobillandschaft wird an folgendem Beispiel klar: Der GLK ist sechs Zentimeter größer und breiter als der Ur-Range Rover, dabei ist er genau so schwer. Aber er spielt in einer anderen Liga: Was früher Klasse war, ist heute fast Masse, von der sich der GLK aber eindeutig abhebt. Der klobig-sperrige Block irritiert zunächst, weil er nicht Mercedes-artig ist – eher würde man einen Jeep vermuten, das amerikanische Vorbild des ehemaligen Partners Chrysler, der ebenfalls zu kantigen Formen zurückgefunden hat.
Was aber ist an ihm Mercedes-artig? Ist es die kurvige Charakterlinie, welche die Seitenpartie ziert? Oder ist es der überdimensionierte SL-Kühler mit dem Frisbee-Stern? Dachte man noch vor zehn Jahren mit geschlossenen Augen an Mercedes, so materialisierte sich das Urbild von Barenys Stufenheck-Karosserie – mit oder ohne Heck. Schließt man heute die Augen, sieht man großes und kleines, kurviges und kantiges, flaches und dickes – alles und nichts.
Wie auch immer, der Kompakte hat was. Er sieht, so komisch das klingt, auf sympathische Art nützlich aus. Gegenüber den Wettbewerbern im „Formel-1-trifft-Bügeleisen-Look“, gibt sich der GLK auf beruhigende Weise harmlos. Seine absichtliche Unschönheit ist berührend, als ob man damit mehr die inneren Werte als die äußere Erscheinung betonen wollte. Der GLK kann ein guter Kumpel werden, die Jurassic-Version von Knut dem Bären.
Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

