Als Rettung des Konzeptes, wenn überhaupt möglich, kommen die kompakten SUVs. Die sind zwar absolut gesehen sozial verträglicher, doch im relativen Sinne genauso gefährlich, wenn nicht sogar gefährlicher. Kleiner, billiger und sparsamer sprechen die Kompakten eine viel größere Kundschaft an, „die Late Adaptors“. Konsequenz: Wenn Hunderttausende Oberklassefahrer sich dem großen SUV zuwenden ist die Wirkung auf die Umwelt geringer, als wenn Millionen Golf-Fahrer zum Kompakt-SUV wechseln. Wie dem neuen GLK.
„G“ steht für Gelände, „L“ für weiss-ich-nicht (leicht, Luxus, lang?), „K“ für Kompakt. Allein über das Wort Kompakt könnte man schöne Witze machen. Die Elefantisierung der Automobillandschaft wird an folgendem Beispiel klar: Der GLK ist sechs Zentimeter größer und breiter als der Ur-Range Rover, dabei ist er genau so schwer. Aber er spielt in einer anderen Liga: Was früher Klasse war, ist heute fast Masse, von der sich der GLK aber eindeutig abhebt. Der klobig-sperrige Block irritiert zunächst, weil er nicht Mercedes-artig ist – eher würde man einen Jeep vermuten, das amerikanische Vorbild des ehemaligen Partners Chrysler, der ebenfalls zu kantigen Formen zurückgefunden hat.
Was aber ist an ihm Mercedes-artig? Ist es die kurvige Charakterlinie, welche die Seitenpartie ziert? Oder ist es der überdimensionierte SL-Kühler mit dem Frisbee-Stern? Dachte man noch vor zehn Jahren mit geschlossenen Augen an Mercedes, so materialisierte sich das Urbild von Barenys Stufenheck-Karosserie – mit oder ohne Heck. Schließt man heute die Augen, sieht man großes und kleines, kurviges und kantiges, flaches und dickes – alles und nichts.
Wie auch immer, der Kompakte hat was. Er sieht, so komisch das klingt, auf sympathische Art nützlich aus. Gegenüber den Wettbewerbern im „Formel-1-trifft-Bügeleisen-Look“, gibt sich der GLK auf beruhigende Weise harmlos. Seine absichtliche Unschönheit ist berührend, als ob man damit mehr die inneren Werte als die äußere Erscheinung betonen wollte. Der GLK kann ein guter Kumpel werden, die Jurassic-Version von Knut dem Bären.
Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

