Viele Details (der Heckmotor des Käfers, die kleinen Räder des Minis, das Großraumkonzept des Twingos) sprechen für eine evolutionäre Verwandtschaft und gleichzeitig für eine konzeptionelle Unabhängigkeit, denn genau so eine Mischung hat es noch nicht gegeben. Der Nano ist entstanden aus den billigsten Techniken, um ein armes Volk zu mobilisieren – und daran sollte er gemessen werden. Und zwar positiv.
Dennoch zwingt das Auto einmal mehr dazu darüber nachzudenken, ob und in wie weit die heutigen Autos noch den Bedürfnissen unserer mobilen Gesellschaft entsprechen. Bei Geschwindigkeiten bis 30 Stundenkilometern wäre ein derart minimalistisches Fahrzeug in unseren Metropolen genau so brauchbar wie in Indien. Deshalb traue dem Nano auch in Europa durchaus gute Marktchancen zu.
Im Überblick: der Tata-Konzern
Der Nano gibt allerdings keine Antwort auf die große Frage einer nachhaltigen Mobilität. Doch genau das wäre die Aufgabe der Autoindustrie, so schnell wie möglich Fahrzeuge zu entwickeln, die die konzeptionelle Reduktion (also die Unkompliziertheit) des Nanos mit umweltfreundlichen Antriebsarten verbinden. Damit würde sie Impulse geben und Vorbilder setzen, die global übertragbar und skalierbar wären. So leid es mir für den süßen Kleinen tut, man darf nicht zulassen, dass aus dem Zwerg ein weiterer ölfressender Gigant wird.
Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.


