Um Visionen und Strategien zu formulieren, braucht man nicht unbedingt den neuen Namen. Schließlich muss keine pubertierende Fangemeinschaft unterhalten, sondern ein erwachsenes Publikum überzeugt werden. Dafür waren die Buchstaben R-A-G goldrichtig. Zeigen doch HP, GE oder BMW, dass es kaum etwas Wertvolleres gibt als einen kurzen Markennamen.
Die Chancen von Evonik (Industries) gegenüber RAG? Man denke an IBM gegenüber Lenovo. Man mag Evonik mit Evolution und Bionik verbinden, damit an den China-Trend anknüpfen, an Zukunft denken. Tatsächlich versetzt uns der Name in die 60er zurück – mit Sputnik (1957), Diabolik (1962), Satanik (1964) und Maverick (1969). Kein Wunder, dass Dr. Werner Müller, Essener des Jahrgangs 1946, sich auf Anhieb gut gefühlt hat.
Evonik, das wäre perfekt gewesen, um einen Hersteller von Hi-Fi-Stereogeräten (ab 1960) zum Erfolg zu bringen – gäbe es nicht diese komische Farbe. Das Volk fragt, ob das nun „deep purple“ (nach der Band von 1968) oder ein genetisch mutiertes Kuh-Lila ist. Mit dem schrillen Rot assoziiere ich Alpenveilchen. Auch die Omablume war damals in Essen bestimmt beliebt.
Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.


