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31.10.2007 
Tumminellis Designkritik

Neuer Mini-BMW – ein Biederbayer

von Paolo Tumminelli

Deutsche Premium-Hersteller sind von der CO2-Debatte besonders betroffen. Das gilt auch für BMW. Grund genug für den bayrischen Autohersteller, um neben dem bekannten BMW-Mini künftig einen Mini-BMW zu planen. Doch bei der Größenanpassung des 1er-Coupés ist etwas schiefgegangen.

BMW bringt den 1er bald auch als Cabrio in den Handel. Foto: BMWLupe

BMW bringt den 1er bald auch als Cabrio in den Handel. Foto: BMW

Fast hätte ich es vergessen, kaum jemand hat darüber berichtet: Neben den vielen – wenig überzeugenden – Grünwagenkonzepten auf der IAA präsentierte auch BMW eine blassgrüne Neuheit: das 1er Coupé. Dass die Bayern stets als ökofreundlichste Premiummarke gehandelt werden – sogar öffentlich von der grünen Parteiführung unterstützt –, klingt zunächst wie ein Widerspruch. Doch trotz PS-Orgie und Freude am Fahren: Motoren aus München sind in puncto Verbrauch-Leistungs-Verhältnis vorbildlich, zum anderen wiegt der dem Konzern gehörende Mini – wenngleich ohne Motoren aus München – auf BMWs Ökowaage besonders günstig.

Grund genug, um neben dem bekannten BMW-Mini künftig einen Mini-BMW zu planen, und zwar unterhalb der jetzigen 1er-Reihe, was allerdings allein aus bezeichnungstechnischen Gründen für die 1-3-5-6-7-Marke aus München ein Problem darstellt. Denn bei der Größenanpassung ist etwas schiefgegangen. Nach dem Motto „Liebling, ich habe die Kinder aufgeblasen“ ist der jetzige 1er so lang wie der allererste 3er geworden, der 3er wie der 5er und der 5er wie der 7er. Der 7er mutierte sogar zum Ami-Schlitten der Vor-Ölkrisen-Zeit.


Tabelle  Infografik: Design-Details des 1er Coupé Cabriolets


Unter dem 1er wäre also Platz genug für ein sogenanntes City-Mobil (Minus-null-Reihe geht ja nicht). Künftig wollen nicht nur BMW, sondern auch Audi (Konzeptwagen Metrocity Quattro) und Alfa Romeo (den passenden Namen sollte ein Publikumswettbewerb finden) mit eigenen Mini-Minis eine sportliche Premium-Rolle spielen.

Über die Definition von Premium im Kleinwagensegment kann man zwar streiten. Dafür, dass die Übertragung erfolgreich sein kann, gibt es jedoch einige Gründe. Zum einen hat das kontinuierliche Downgrading der Premium-Marken (siehe A-Klasse) bewiesen, dass es stets Automobilfans gibt, die bereit sind, weniger Geld für mehr Marke auszugeben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Bei den Superbabys darf man keine radikalen Spritsparer erwarten.

Zum anderen sind Kleinwagen heute nicht mehr das, was sie früher waren. Von wahrnehmbaren Qualitätsunterschieden bei der Fahrdynamik, Sicherheitsausstattung und Verarbeitung kann keine Rede mehr sein. Als allerletzter Grund gilt der notwendige fortlaufende Wertewandel. Im Unterbewusstsein weiß jeder Markenfahrer, der für zehn Kilometer Pendelstraße täglich fünf Auto-Meter und 500 PS in Bewegung setzt, dass dies Unsinn ist. Eine statusverträgliche Alternative hat er jedoch noch nicht.

Knapp vier Meter und 150 PS, wie man sie in dem zu schaffenden Segment erwarten darf, wären zwar ökonomisch gesehen weiterhin ein Verbrechen, dafür dürfte das soziale Urteil milder fallen. Und dies, obwohl man bei den Superbabys keine radikalen Spritsparer erwarten darf (bei Premium ja unpassend!).



Dennoch: Superbabys stellen, anders als das 1er Coupé, eine echte Neuheit dar. Das klein gemachte hübsche 3er ist in ästhetischer als auch in technischer Hinsicht nur die Kopie des größeren Bruders. Als 3er des kleinen Mannes steht er dennoch etwas bieder da. Der immerhin 4,36 Meter lange Wagen bringt es immerhin auf gute 306 PS und ist weit entfernt vom grünen Gedanken.

Damit gehört das 1er Coupé weder zur neuen Ökogruppe, noch wird es eine neue Zielgruppe erschließen – höchstens dem 3er etwas abnehmen. Damit stellt man plötzlich fest, dass BMW eine Reihe zu viel hat.


Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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