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30.05.2007 
Tumminellis Designkritik

Turnier-Punkt

von Paolo Tumminelli

Die Kombiversion des neuen Ford Mondeo vereint dynamischen Stil mit logischem Design. Sie sieht sportlich aus und ist dennoch praktisch. Die Karten in der Mittelklasse sind neu gemischt.

Ford Mondeo Kombi: Quadratisch praktisch gut. Grafik: HandelsblattLupe

Ford Mondeo Kombi: Quadratisch praktisch gut. Grafik: Handelsblatt

Vielfältige Designformen haben den Automobilbau geprägt. Wer Ferdinand Porsches ursprüngliche Tulpenform kennt, der kann sich auch noch an die kantige Trapezform erinnern, welche die Autos der 60er-Jahre so markant prägte. Ein anderes Beispiel sind die weichen Un-Formen der frühen 90er – sie wurden als Vanilla Design verspottet.

Unter diesen Begriffen kann man sich ja noch etwas vorstellen. Schwieriger wird es, wenn Design zum Verkaufsargument gemacht wird. Die Amerikaner waren dabei stets einfallsreich: Chrysler versuchte sich Mitte der Fünfziger mit Virgil Exners „Forward Look“, und 1969 war die Zeit von „Fuselage Design“ gekommen. Ford verkaufte Ende der 90er ein rund-kantiges „New Edge“, später wurde Retro unter dem Dachkonzept „Living Legends“ präsentiert.

Die Begriffe kommen und gehen mit den Trends – entscheidend ist nach wie vor die Substanz. Beispiel Ford Europe: Um die Ovalmarke am Markt neu zu positionieren, hat die Unternehmenskommunikation des Autobauers das „Kinetic Design“ kreiert. Gemeint sind damit ganz einfache dynamisch-progressive Formen – konzeptionell gesehen purer Mainstream, wie man ihn von Audi bis Volvo überall findet.

Nicht dass der Begriff falsch ist oder gar störend – er ist einfach nur undifferenziert und deswegen irrelevant.

Viel relevanter ist, ob das Design des neuen Mondeos – um es mit Ford zu sagen – besser ankommt. Dabei spielt Chefdesigner Martin Smith eine nicht unwesentliche Rolle: Er war anfangs bei Porsche, dann 20 Jahre bei Audi und ab 1997 bei Opel, wo er innerhalb von sieben intensiven Jahren die Neugeburt der Marke einfädelte.

Seit drei Jahren ist nun Smith bei Ford und macht seinen Job weiter gut. Im neuen Mondeo spiegelt sich seine gesammelte Erfahrung: Hat doch sein kinetisches Design die Dynamik von Porsche, die Eleganz von Audi und die Solidität von Opel. Ich wage sogar mehr: Wer glaubt, den neuen Mondeo nicht zu kennen, der irrt. Man hat ihn sehr wohl in James Bonds „Casino Royale“ gesehen – gesteuert von Bond/Craig auf dem Weg zum Hotel auf den Bahamas – und ihn möglicherweise für einen viertürigen Aston Martin gehalten. Mehr können sich die Kölner Ford-Werke, deren Mutterkonzern ohnehin Hauptsponsor von 007 ist, wirklich nicht wünschen.

Allerdings muss ich zugeben, dass mich das Konzept des „Kinetic Designs“ dennoch kalt lässt. Ohnehin empfinden wir unsere Fahrten, Mille Miglia ausgenommen, stets als statisches Erlebnis. Anders als andere, hat Ford jedoch einen Fehler nicht gemacht: Die Funktionalität des Wagens wurde nicht der Attraktivität der Linie untergeordnet.

Beispiel Kombiversion Turnier: Trotz dynamischer Linienführung ist die Heckklappe möglichst eckig und geräumig geschnitten. Beste Affordance, keine Täuschung. Selbst bei Produkten made in Germany ist das leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Gut, dass Mr. Smith uns daran erinnert.


Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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