Überraschend macht Lee Scott dem Auslands-Chef Mike Duke Platz
Wal-Mart wechselt seinen CEO aus

Ausgerechnet vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft verkündet der Handelskonzern einen Wechsel des Vorstandsvorsitzenden. Das kündet wohl von einer Konzentration auf das Auslandsgeschäft.

NEW YORK. Mike Duke kann nur hoffen, dass Barack Obama nicht nachtragend ist. Denn Duke, ab 1. Februar Chef des weltgrößten Einzelhändlers Wal-Mart und bisher Leiter von dessen Auslandsgeschäft, hatte im Wahlkampf John McCain unterstützt. 2 300 Dollar aus seiner Privatschatulle hat Duke nach Angaben der unabhängigen Website CQ Moneyline im August an Obamas Rivalen gespendet – wie er auch in den Jahren zuvor Geld an George W. Bush und andere republikanische Politiker gespendet hatte.

Wenn Duke nun, wie am Freitag überraschend verkündet wurde, den langgedienten Lee Scott als Chef des US-Händlers ablöst, regieren in Washington die Demokraten.

Duke dürfte nicht allzu begeistert über das sein, was auf ihn zukommt. So diskutiert der Senat etwa schon länger über ein Gesetz, das es Angestellten erleichtern soll, sich in Gewerkschaften zu organisieren. Unangenehm für den Konzern, der bisher eine gewerkschaftsfreie Zone ist. Prominentester Unterstützer des Gesetzes: Barack Obama.

Duke, 58, wird keinen leichten Job übernehmen, zumal der Konzern im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise seine Gewinnprognose senken musste. Dem gelernten Ingenieur hilft die langjährige Erfahrung in der Handelsbranche. Bis 1995, als er zu Wal-Mart stieß, hatte er 23 Jahre lang bei Federated Department Stores und May Department Stores gearbeitet. Bei Wal-Mart war der Vater von drei Kindern dann unter anderem Logistik-Chef und schließlich Leiter des internationalen Geschäfts. „Duke scheint die richtige Wahl zu sein“, sagte Richard Hastings von der Beratungsfirma Global Hunter Securities im kalifornischen Newport Beach, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Mithin glauben Analysten wie Konzernkritiker, dass der angekündigte Wechsel bei Wal-Mart – ungewöhnlich so kurz vor dem großen Weihnachtsgeschäft – mit dem Wechsel in Washington zusammenhängt: Man sucht einen Neuanfang am Konzernsitz in Bentonville, Arkansas. Die gewerkschaftsnahe Organisation Wal-Mart Watch schickte Duke bereits einen Willkommensgruß: Es sei eine „Gelegenheit für Wal-Mart, das Geschäftsmodell der Niedriglöhne und geringen Sozialleistungen umzuwandeln in eines, das der Obama-Regierung besser gefällt“.

An dieser Front gibt es für Duke noch viel zu tun. Auch wenn Vorgänger Scott das Image des Unternehmens zuletzt deutlich verbessert hat, gilt Wal-Mart für viele noch immer als der böse Konzern schlechthin. Wal-Mart zahle Niedriglöhne, biete eine miese Gesundheitsversorgung, verkaufe gefährlichen Billig-Ramsch und mache mit seinen Riesenhallen die örtliche Konkurrenz platt – nur einige Vorwürfe der Kritiker an den mit 1,6 Millionen Angestellten größten Arbeitgeber des Landes.

Die Berufung des bisherigen Auslandschefs Duke gilt nicht nur als Zeichen des Neuanfangs gegenüber einer neuen Regierung. Sie unterstreicht, dass Wal-Mart sein Wachstum künftig vor allem außerhalb der USA sieht. Zuletzt trug das internationale Geschäft 24 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Duke kommandiert eine auf 3 200 Filialen und fast 100 Milliarden Dollar Umsatz gewachsene Sparte. Zu seinen härtesten Entscheidungen gehörte vor zwei Jahren der Rückzug aus Deutschland. Künftig will Wal-Mart zwei Drittel der Investitionen im Ausland tätigen.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%