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02.10.2008 
Transitland für Energielieferungen

Ungarn entscheiden mit über Europas Gasversorgung

von Stefan Menzel

Ungarns Rolle als Transitland für Energielieferungen in den Westen zwingt die Regierung in Budapest zu einem schwierigen Spagat. Der Energiekonzern Mol wird vom Westen ebenso umworben wie von der russischen Gazprom. Unterdessen krankt das europäische Pipeline-Projekt Nabucco an Geburtsfehlern.

WIEN. So wird der größte Energiekonzern Mol, der 2007 umgerechnet knapp elf Mrd. Euro Jahresumsatz erzielte, auf der einen Seite von Russlands Energieriesen Gazprom umworben. Das betrifft vor allem eine mögliche Zusammenarbeit bei den geplanten neuen Gaspipelines von Ost- nach Westeuropa. Auf der anderen Seite ist Ungarn Partner des europäischen Nabucco-Projekts. Die Pipeline soll vom Kaspischen Meer über die Türkei und den Balkan nach Westeuropa verlaufen – und Europa gerade unabhängiger von russischen Erdgaslieferungen machen.

Mitte September hielt sich eine hochrangige Gazprom-Delegation in Budapest auf, um über den Verlauf der geplanten South-Stream-Pipeline durch Ungarn zu verhandeln. Geht es nach dem Willen Moskaus, soll russisches Erdgas via Bulgarien, Serbien und Ungarn nach Westeuropa fließen – doch dafür braucht Gazprom die Zustimmung der Transitländer. Mol und der ungarischen Regierung kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, denn sie sind zugleich Partner des Nabucco-Projekts. Die europäische Pipeline könnte – wenn sie je gebaut wird – aus Quellen rund um das Kaspische Meer gespeist werden, etwa in Aserbaidschan, später vielleicht auch in Iran und im Irak. Wie bei der russischen South Stream würde auch der Bau dieser Pipeline mindestens zehn Mrd. Euro kosten, mit einer Fertigstellung ist um das Jahr 2013 zu rechnen. Hinter Nabucco steht ein Konsortium westlicher Energiekonzerne, das von der österreichischen OMV angeführt wird und dem auch die Essener RWE AG angehört.

Mol muss sich nun entscheiden, ob das Unternehmen eher auf die westliche oder auf die Gazprom-Karte setzt. Bei einem Besuch in Wien ließ Mol-Vorstandschef Zsolt Hernadi vergangene Woche leichte Distanz zum Nabucco-Projekt erkennen: „Wenn das Gas dafür aus dem Iran kommt, stellt sich die Frage, ob die Versorgung damit wirklich viel sicherer als aus russischen Quellen ist.“

Der Mol-Chef macht damit auf ein wesentliches Problem des Nabucco-Projekts aufmerksam: Während bei South Stream die Versorgung mit russischem Gas gesichert wäre, gibt es beim Konkurrenzvorhaben immer noch keine konkreten Verträge mit möglichen Lieferanten. So will OMV auch mit Teheran über den Bezug von iranischem Erdgas verhandeln. Doch die Politik könnte dieses Geschäft vereiteln: Mit Widerstand ist dabei vor allem aus Washington zu rechnen, da die US-Regierung Teheran wegen des iranischen Atomprogramms weitgehend isolieren will. Johannes Benigni, Chef des Wiener Öl- und Gasberatungsunternehmens JBC Energy, hält diese Unsicherheit für einen entscheidenden Geburtsfehler des Nabucco-Projekts.

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