Unterschiede sind dennoch vorhanden - sie sind nicht vordergründig, und daher umso schwieriger in der Wahrnehmung. Wird dies nicht bedacht, können kleine Fehler großen Schaden anrichten, den es anschließend mühsam und zeitintensiv wieder zu beheben gilt. Fehlen Sympathiewerte, kann der Lieferauftrag schnell an die Konkurrenz gehen.
Im Tonfall ist Zurückhaltung stets anzuraten. Überschwängliche Fröhlichkeit und ein zu forsches "kumpelhaftes" Auftreten wirken ebenso befremdlich wie Überheblichkeit. Die Etikette verlangt eine gewisse Karenzperiode, in der eher kleine Gesten eine große Rolle spielen. Gute Manieren sollten aber durchaus offen demonstriert werden.
Für die Auswahl der Lokalitäten für die ersten Treffen gilt, dass diese nicht unbedingt zu den teuersten und elegantesten gehören müssen. Vorrangig sollte auf die Zweckmäßigkeit geachtet werden. Das Ambiente sollte dazu beitragen die gegenseitige Annäherung der frisch gebackenen Geschäftspartner zu erleichtern.
Eine ruhige Atmosphäre, in der Gespräche ungestört verlaufen können bietet sich eher an, als die Hektik und der Lärmpegel einer Tanzbar oder eines gut besuchten Brauhauses. Für die Phase des Kennenlernens sollte zudem viel Zeit eingeplant werden, da das Zeitgefühl in Polen ein anderes ist als in Deutschland. Führungskräfte arbeiten Abends meist länger und wenn es das Geschäft verlangt, auch am Wochenende. Daher könnte ein wiederholtes "Auf-die-Uhr-schauen" Irritationen hervorrufen.
Geschäftsessen finden in dafür geeigneten Räumlichkeiten statt. In Restaurants werden entweder Separees bevorzugt oder Tische, die weit entfernt von Türen in einer ruhigen Ecke stehen. Dem Gast wird dabei in der Regel der Platz angeboten, von dem aus das Geschehen im Restaurant am besten verfolgt werden kann. Auf keinen Fall wird er mit dem Gesicht zur Wand platziert.
Bei Speisen und Getränken haben sich, vor allem in den Großstädten, die meisten Gastronomiebetriebe internationalen Standards angepasst. So hat man vielerorts die selbstverständliche Wahl zwischen ausländischen und typisch polnischen Restaurants. Die polnische Küche bietet eine Reihe regionaler Spezialitäten, die aber meist nur in der entsprechenden Region zu finden sind.
Inzwischen hat sich weitgehend durchgesetzt, dass sich jeder Gast sein Menü anhand der Speisekarte selbst zusammenstellt. Der Genuss alkoholischer Getränke gehört nicht mehr zur Pflichtkür. Generell haben ein gutes Bier oder ein erlesener Wein das frühere obligatorische Wodkatrinken abgelöst. Aber auch alkoholfreie Getränke, etwa Mineralwasser, werden inzwischen bei geschäftlichen Essen gern gereicht.
Die Sitzordnung orientiert sich bei offiziellen Anlässen, vor allem wenn die Teilnehmerzahl relativ hoch ist, an den üblichen protokollarischen Vorschriften. Trinksprüche auf den Gastgeber oder Gast sollten während der warmen Hauptmahlzeit unterbleiben. Bessere Zeitpunkte sind der Beginn eines Essens, auf dem in kurzen Worten der derzeitige Stand der Verhandlungen oder der Geschäftsbeziehungen umrissen wird, oder das Ende, an dem noch einmal der Dank des Gastgebers für das Erscheinen der Gäste und der Dank der Gäste über die Einladung zum Ausdruck gebracht werden. Wichtig ist ebenfalls, Mobiltelefone auszuschalten.
Die Bezahlung von Geschäftsessen übernimmt in jedem Fall der Einladende. Üblich sind Trinkgelder in Höhe von 10% des Rechnungspreises.
Geschäftliche Mittagessen finden zu ähnlichen Zeiten wie in Deutschland statt. Gewöhnlich wird für den Beginn eine Uhrzeit zwischen 12.30 und 14.00 Uhr gewählt. Der Gastgeber erscheint dabei circa zehn Minuten vor dem einberufenen Termin, um den Gast persönlich empfangen zu können.
Ein spätes Mittagessen um 15.00 Uhr ist aber auch möglich, da insgesamt die Menschen in Polen doch gern etwas später zu Tisch sitzen. Besonders abseits großer Metropolen ist dies zu beobachten. Aber auch in den Städten füllen sich die Lokale üblicherweise erst, wenn in Deutschland die Mittagszeit eigentlich schon vorüber ist.
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