13 Bewertungen ****
22.09.2008 

Besprechungen können daher länger dauern als anberaumt. Sie beginnen aber in der Regel äußerst pünktlich, sprich plus/minus zwei Minuten, da sich tschechische Geschäftsleute dieser deutschen Eigenart wohl bewusst sind. Generell aber ist man fünf bis zehn Minuten großzügiger und gerät nicht aus der Fassung, wenn ein Partner in diesem Rahmen später erscheint, vor allem wenn er noch einen halben Satz auf die verpasste U-Bahn oder die in Prag verbreitete Parkplatznot verliert. Die Körpersprache ist, ähnlich wie in Deutschland, eher zurückhaltend, sprich gesten- und berührungsarm.

Eine Frau zuvorkommend zu behandeln, ihr die Tür zu öffnen, den Vortritt zu lassen oder in den Mantel zu helfen, sind selbstverständliche Gesten, mit denen eine deutsche Geschäftsfrau rechnen muss, die in Tschechien männliche Gegenüber hat. Umgekehrt sollte ein deutscher Geschäftsmann daran denken, wenn sein Ansprechpartner eine Frau ist.

Grußkarten zum Jahreswechsel sind ein Muss, bei eingespielten Beziehungen werden auch kleine Geschenke verschickt. Gepflegt wird im Freundeskreis und auf der Arbeit der Namenstag, der - anders als der Geburtstag - den Vorteil hat, öffentlich bekannt zu sein. Bei Kontaktanbahnungen, geschäftlichen Treffen, Messeterminen gelten weitgehend die gleichen Gepflogenheiten wie in Deutschland. Vertreter tschechischer Firmen, die mit deutschen Partnern ins Geschäft kommen wollen, haben häufig eine Aufmerksamkeit bei sich, und umgekehrt wird dasselbe erwartet.

Der Katalog möglicher Werbe- oder Gastgeschenke deckt sich weitgehend. Spezielle Mitbringsel, die im Zusammenhang mit Deutschland stehen, der eigenen Firma oder der Region, in der sie ansässig ist, kommen immer gut an. Das kann reichen von besonderen Büro- oder Schreibutensilien über ausgewählten Wein oder Delikatessen bis hin zu Gegenständen, die auf die eigene Produktion verweisen.

Unbedingt zu vermeiden sind belastete Wörter. Dazu gehört das vielen Deutschen immer noch viel zu schnell von der Zunge gehende Tschechei. Dieses Wort wurde in der Nazizeit häufig und abfällig verwendet (so im Zusammenhang mit "Rest-Tschechei") und hat damit einen negativen Klang. Daran ändert sich auch nichts, wenn es von jüngeren, deutsch sprechenden Tschechen in Unkenntnis häufig selbst verwendet wird. Gerade ältere Generationen sind sehr hellhörig. Auch die saloppe Zuordnung des Landes zu Osteuropa und, schlimmer noch, zum Ostblock, lässt die meisten Tschechen innerlich zusammenzucken. "Wir haben immer zu Mitteleuropa gehört", so ein tschechischer Geschäftsmann erzürnt. "Dass später in Jalta Stalin und Roosevelt ihre Einflussbereiche aufteilten, kann an dieser historischen Realität nichts ändern."

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die erste Begegnung mit dem Geschäftspartner

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Zuletzt besucht / gesucht

weiterHandelsblatt Bildergalerien

zurück
  • Dax-Aktien: Von Tiefständen noch weit...

    Dax-Aktien: Von Tiefständen noch weit entfernt

    Der Dax ist in den vergangenen Wochen kräftig unter Druck geraten – der Absturz unter die Marke von 4 000 Punkten droht. Die Tiefstände der letzten Krise haben die meisten Aktien allerdings noch nicht erreicht. Handelsblatt.com zeigt Ihnen, wie sich die Dax-Werte ...Bildergalerie 

  • Die Charts der Woche

    Die Charts der Woche

    Nachrichten bewegen Börsenkurse. Handelsblatt.com zeigt in Form einer Bildergalerie, bei welchen Unternehmen es aktuell Kursbewegungen und Analystenstimmen gibt, die für Anleger besonders interessant sind. Grafik für Grafik zum Durchklicken.Bildergalerie 

  • Citigroup: Vom Giganten zum Wackelkan...

    Citigroup: Vom Giganten zum Wackelkandidaten

    Nach der Forbes Global 2000-Liste war die Citigroup bis zum Jahr 2007 regelmäßig das größte Unternehmen weltweit. 2008 rutschte es in der Liste auf Platz 24 ab. Die Citigroup hat in den vergangenen zwölf Monaten fast 80 Prozent ihres Börsenwerts eingebüßt. Der Weg durc...Bildergalerie 

vor