Der Umgang mit tschechischen Geschäftspartnern oder Mitarbeitern mag vor allem anfangs wegen des indirekteren Kommunikationsstils und der Wertschätzung des informellen Informationsaustausches gewöhnungsbedürftig sein. Ein tschechischer Partner wird auf einer ersten Besprechung kaum mit einem fertigen Konzept oder gar Vertrag auftauchen, sondern konkretisiert vieles erst im Laufe der Verhandlungen. Umgekehrt möchte er nicht sofort mit unterschriftsreif ausgefeilten Dokumenten überfallen werden.
Auch die in Deutschland mittlerweile gängige Praxis, zu Beginn von Kooperationen mit Power-Point-Präsentationen aufzuwarten, die eine Vorbereitung auf das Gespräch signalisieren, sind nicht üblich. Tschechen würden sich fragen, was 20 Seiten Präsentation bringen, wenn bereits nach drei Seiten vielleicht abzusehen ist, dass das nicht in die gewünschte Richtung läuft. Die tschechische Geschäftskultur schätzt die Entwicklung von Gesprächen, in denen Reaktionen auf den anderen möglich sind, auch ganz neue Ideen aufkommen können. Nicht üblich ist es, ein Gespräch mit einer gemeinsamen Notiz aktenkundig zu machen.
Eine gewisse Vorsicht von tschechischer Seite sollte nicht als Unsicherheit oder gar Unzuverlässigkeit missverstanden werden. "Wir Tschechen sagen ungern nein", sagen viele Tschechen über sich selbst. Das hat nicht unbedingt damit zu tun, dass eventuell Sanktionen gefürchtet werden. Vielmehr möchte man die Beziehung nicht beschädigen, seinem Gegenüber nicht zu nahe treten, ihn oder sich selbst nicht bloßstellen. In der Regel erklingt deshalb gerade zu Beginn einer Kooperation ein "Ja", ein "Wir wehren uns nicht dagegen, wenn" oder ein "Wir würden es begrüßen, wenn". Das ist aber noch keine Zusage, sondern eher eine allgemeine Absichtserklärung.
Deutsche beschreiben dies manchmal als "Ausweichmentalität" und finden es anstrengend, darüber nachzudenken, was wohl genau gemeint war und ob auch wirklich alles gesagt wurde. Informelle Augenblicke, wie etwa eine Kaffeepause erlauben es, manche Aspekte zu klären oder zu vertiefen. Doch sollte der deutsche Gesprächspartner Details am Rande dann ebenso wahrnehmen wie die am Verhandlungstisch. Tschechen sind es gewohnt, sich informell zu informieren, das heißt im Mittagsgespräch mit Kollegen, auch mal auf dem Weg zur U-Bahn.
Bei einem Zulieferbetrieb ist es nicht falsch, Termine noch einmal genau festzuklopfen und unter Umständen darauf hinzuweisen, dass Termintreue weder zu spät noch zu früh heißt, da dadurch Kosten entstehen. Vor allem wenn es sich um junge Firmen der ersten Generation handelt, die wenig Auslanderfahrung haben. Schon manche von ihnen ist davon ausgegangen, mit einer vorzeitigen Ablieferung besonders pünktlich zu sein und war dann durch eine schlechte Bewertung sehr überrascht. Überhaupt: Wer ohne Überheblichkeit erklärt, warum manche Kontrollinstrumente, die in Tschechien weniger üblich sind, für die deutsche Seite nötig sind (etwa Feedback-Meldungen, Aktennotizen nach Besprechungen, regelmäßige Zahlenabrufe), nimmt ihnen den Stachel der Bedrohlichkeit oder macht notwendige Normen nachvollziehbar.
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